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So läuft die Prüfung

Grundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zur Industriekauffrau von 2024 (gestreckte Abschlussprüfung). Teil 1 hast du schon geschrieben. Hier geht es um Teil 2.

Was in Teil 2 auf dich zukommt

PrüfungsbereichFormZeitGewicht
Teil 1: Leistungserstellung, Logistik, Beschaffung und Buchhaltungschriftlich (erledigt)90 min25 %
Marketing, Vertrieb, Personalwesen und kaufmännische Steuerung und Kontrolleschriftlich, praxisbezogen150 min35 %
Fachaufgabe im EinsatzgebietDokumentation, Präsentation, Fachgespräch30 min mündlich30 %
Wirtschafts- und Sozialkundeschriftlich, praxisbezogen60 min10 %
Quelle: §§ 10–14 IndKflAusbV 2024
Was im schriftlichen Hauptteil (35 %) geprüft wird (§ 11)
  • Marketing, Vertrieb, Personalwesen, kaufmännische Steuerung und Kontrolle
    • MarketingMaßnahmen zielgruppenorientiert planen, umsetzen, bewerten; Trends; Recht, Ökologie, Soziales
    • VertriebVertriebsprozesse mit internen und externen Schnittstellen; Kundenzufriedenheit und -bindung
    • PersonalwesenPersonalprozesse nach Arbeits- und Sozialrecht, Betriebs- und Tarifregeln
    • Kaufmännische Steuerung und KontrolleKLR, Kennzahlen, Controlling, Jahresabschluss
    • Englischenglische Informationen und Fachbegriffe anwenden

Wann ist die Prüfung bestanden?

Merke

Alle vier Bedingungen müssen erfüllt sein (§ 14 Abs. 2):

  1. Gesamtergebnis aus Teil 1 und Teil 2 mindestens ausreichend (50 Punkte)
  2. Ergebnis von Teil 2 mindestens ausreichend
  3. In mindestens zwei Prüfungsbereichen von Teil 2 mindestens ausreichend
  4. In keinem Prüfungsbereich von Teil 2 ungenügend (unter 30 Punkte)
Beispiel: Mündliche Ergänzungsprüfung (§ 15)

Läuft der schriftliche Hauptteil oder WiSo schlechter als ausreichend und kann es über das Bestehen entscheiden, kannst du eine 15-minütige mündliche Ergänzungsprüfung beantragen. Alte Note und mündliche Note zählen dann 2 : 1. Das geht nur in einem der beiden Bereiche.

PunkteNote
100–921 sehr gut
unter 92–812 gut
unter 81–673 befriedigend
unter 67–504 ausreichend
unter 50–305 mangelhaft
unter 30–06 ungenügend
IHK-Notenschlüssel

Wie viele Punkte brauchst du?

Gesamtergebnis
66,5
Note 4 (ausreichend)
  • ✓ Gesamtergebnis Teil 1 + Teil 2 mindestens 50 Punkte
  • ✓ Ergebnis Teil 2 mindestens 50 Punkte
  • ✓ mindestens zwei Prüfungsbereiche in Teil 2 mit 50 Punkten
  • ✓ kein Prüfungsbereich in Teil 2 unter 30 Punkten (ungenügend)
Mit 50 Punkten in Teil 1 brauchst du in Teil 2 im Schnitt:
  • Note 1 (ab 92 gesamt)nicht mehr erreichbar
  • Note 2 (ab 81 gesamt)91,4 Punkte
  • Note 3 (ab 67 gesamt)72,7 Punkte
  • Bestehen (ab 50 gesamt)50 Punkte

Gewichtung nach § 14 der Ausbildungsverordnung: Teil 1 25 %, MVPK 35 %, Fachaufgabe 30 %, WiSo 10 %. Ob kaufmännisch gerundet wird, regelt die IHK.

Die Fachaufgabe im Einsatzgebiet (30 %)

Das ist der Teil, den du am stärksten selbst steuerst. Du machst im Betrieb eine echte Aufgabe aus deinem Einsatzgebiet und zeigst, dass du sie planen, umsetzen und bewerten kannst.

Ablauf (§ 12)
  1. 1
    Antrag stellen

    Vor der Durchführung an den Prüfungsausschuss: Kurzbeschreibung der Aufgabe, Ziel und die Prozesse, die du dabei berücksichtigst. Die Frist nennt deine IHK.

  2. 2
    Aufgabe im Betrieb selbstständig durchführen

    Dein Ausbildungsbetrieb bestätigt, dass du sie eigenständig gemacht hast.

  3. 3
    Dokumentation schreiben (10 % des Bereichs)

    3 bis 5 Seiten: Aufgabenstellung, Ziel, Planung, Durchführung, Begründung deines Vorgehens, Ergebnis und Bewertung. Dazu höchstens 3 Seiten praxisübliche Unterlagen. Abgabe spätestens am ersten Tag von Teil 2. Richtwert: höchstens 16 Stunden Arbeit.

  4. 4
    Präsentation (20 %)

    Höchstens 10 Minuten: Planung, Durchführung und Auswertung. Richtwert für die Vorbereitung: höchstens 8 Stunden.

  5. 5
    Fallbezogenes Fachgespräch (70 %)

    Der Ausschuss fragt zu deiner Aufgabe, deiner Dokumentation und Präsentation. Präsentation und Gespräch dauern zusammen 30 Minuten.

Eselsbrücke

Das Fachgespräch zählt 70 %. Übe es wie ein Gespräch, nicht wie einen Vortrag:

  • Warum hast du dich so entschieden? Welche Alternativen gab es?
  • Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?
  • Welche rechtlichen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekte spielten eine Rolle? (Das steht ausdrücklich in § 12.)
  • Lass dich von jemandem 20 Minuten mit „Warum?“-Fragen löchern.
Beispiel: Themen, die gut funktionieren
  • Lieferantenauswahl mit Angebotsvergleich und Nutzwertanalyse
  • Planung einer Marketingaktion für ein Produkt, inklusive Budget und Erfolgskontrolle
  • Einführung eines neuen Ablaufs (z. B. digitale Reklamationsbearbeitung) mit Vorher-nachher-Vergleich
  • Organisation einer Messe oder eines Kundenevents
  • Planung des Azubi-Recruitings mit Stellenanzeige, Kanälen und Kosten

Wichtig ist, dass es Entscheidungen gibt, die du begründen kannst. Eine reine Routineaufgabe reicht nicht.

Und jetzt?