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Kundenbindung, CRM und Verkaufsgespräch

In 30 Sekunden

Einen Neukunden zu gewinnen ist deutlich teurer, als einen bestehenden Kunden zu halten. Darum misst der Vertrieb die Kundenzufriedenheit, baut Kundenbindung gezielt auf und steuert alles mit einem CRM-System. Mit ABC-Analyse und Kundenwert entscheidest du, welcher Kunde wie viel Betreuung bekommt.

Danach kannst du:
  • Kundenzufriedenheit und Kundenbindung unterscheiden
  • Maßnahmen zur Kundenbindung auswählen und begründen
  • Aufgaben und Nutzen eines CRM-Systems erklären
  • eine ABC-Analyse der Kunden erstellen und Kennzahlen wie Reklamationsquote berechnen
  • ein Verkaufsgespräch in Phasen planen und Einwände behandeln
Zufriedenheit ist nicht gleich Bindung
Kundenzufriedenheit
  • •Ergebnis eines Vergleichs: Erwartung (Soll) und Erfahrung (Ist)
  • •Ist ≥ Soll: zufrieden, Ist < Soll: unzufrieden
  • •ein Gefühl, eine Einstellung
  • •Voraussetzung für Bindung, aber keine Garantie
Kundenbindung
  • •tatsächliches Verhalten: Wiederkauf, Mehrkauf, Weiterempfehlung
  • •emotional: Kunde will bleiben (Verbundenheit)
  • •vertraglich oder technisch: Kunde muss bleiben (Gebundenheit, Wechselkosten)
  • •Ziel des Vertriebs
Beispiel: Zufrieden, aber weg

Du bist mit deinem Stammcafé zufrieden. Trotzdem gehst du in das neue Café gegenüber, weil es dort eine Bonuskarte gibt. Zufriedenheit allein hat dich nicht gebunden.

Bei Lumen genauso: Das Architekturbüro Klar ist mit den Leuchten zufrieden. Bestellt hat es das letzte Projekt trotzdem beim Wettbewerber, weil der einen festen Ansprechpartner und eine Planungssoftware mit Lichtberechnung angeboten hat.

MaßnahmeBeispiel bei LumenBindung durch
Kundenkarte, BonusprogrammJahresbonus 3 % ab 50.000 € Umsatz für Händlerökonomische Anreize
ServiceLichtplanung für Architekten, Ersatzteile 10 Jahre lieferbarMehrwert
BeschwerdemanagementReklamation innerhalb von 48 Stunden gelöstVertrauen
Newsletter, KundenzeitschriftNewsletter mit Neuheiten und EinrichtungsideenKontakt halten
After-Sales-ServiceAnruf 4 Wochen nach Lieferung, Schulung des VerkaufspersonalsBetreuung nach dem Kauf
Rahmenverträge, KonsignationslagerJahresvertrag mit Abrufmengenvertragliche Bindung
Events, persönliche BetreuungHausmesse, fester Key-Account-ManagerBeziehung
Maßnahmen zur Kundenbindung

Ein CRM-System (Customer Relationship Management) ist eine Software, in der alle Informationen über Kunden an einer Stelle gesammelt werden:

  • Stammdaten, Ansprechpartner, Umsätze und offene Posten
  • jede Anfrage, jedes Angebot, jeder Auftrag
  • Gesprächsnotizen, Reklamationen, Besuchsberichte

Der Nutzen: Jeder im Unternehmen sieht den gleichen Stand. Der Außendienst weiß vor dem Besuch, dass es letzte Woche eine Reklamation gab. Das Marketing kann Kunden gezielt ansprechen. Die Buchhaltung sieht, wer schlecht zahlt. CRM verbindet also interne Schnittstellen (Vertrieb, Marketing, Service, Buchhaltung, Produktion).

Wichtig: Personenbezogene Daten im CRM unterliegen der DSGVO.

Nicht jeder Kunde ist gleich wichtig. Mit der ABC-Analyse sortierst du die Kunden nach ihrem Umsatz (oder Deckungsbeitrag):

  1. Kunden nach Umsatz absteigend sortieren
  2. Umsatzanteil jedes Kunden in Prozent berechnen
  3. Anteile kumulieren (aufaddieren)
  4. In Gruppen einteilen: A-Kunden (wenige Kunden, großer Umsatzanteil), B-Kunden (mittlerer Anteil), C-Kunden (viele Kunden, kleiner Anteil)
KundeUmsatzAnteilkumuliertKlasse
Möbelhaus Nordlicht1.080.000 €36 %36 %A
LampenWelt (online)720.000 €24 %60 %A
Wohnwerk Einrichtungen450.000 €15 %75 %B
Architekturbüro Klar210.000 €7 %82 %B
Studio Hell150.000 €5 %87 %C
Einrichtungshaus Weber120.000 €4 %91 %C
24 Kleinkunden270.000 €9 %100 %C
ABC-Analyse der Kunden von Lumen (Jahresumsatz 3.000.000 €, 30 Kunden)
Merke

A-Kunden (hier 2 von 30 Kunden, 60 % des Umsatzes) bekommen intensive, persönliche Betreuung, z. B. einen Key-Account-Manager. C-Kunden (26 Kunden, 18 % des Umsatzes) werden kostengünstig betreut, z. B. über Onlineshop und Newsletter.

Aber: Ein kleiner Kunde von heute kann ein großer Kunde von morgen sein. Deshalb schaut man auch auf den Kundenwert.

Customer Lifetime Value (vereinfacht, ohne Abzinsung)
CLV = durchschnittlicher Deckungsbeitrag pro Jahr × erwartete Dauer der Kundenbeziehung in Jahren − Kosten der Kundengewinnung

Der Kundenwert umfasst mehr als den CLV: auch Weiterempfehlungen (Referenzwert), Imagewirkung und Ideen des Kunden für neue Produkte (Informationswert).

KennzahlFormelBeispiel Lumen
ReklamationsquoteReklamationen / Lieferungen × 10036 / 1.200 × 100 = 3 %
WiederkaufrateKunden mit Wiederkauf / alle Kunden × 100340 / 850 × 100 = 40 %
Umsatzanteil eines KundenUmsatz des Kunden / Gesamtumsatz × 1001.080.000 / 3.000.000 × 100 = 36 %
KundenzufriedenheitsindexDurchschnitt der Bewertungen aus Befragungenz. B. 4,3 von 5 Punkten
Kennzahlen im Kundenmanagement
Phasen des Verkaufsgesprächs
  1. 1
    Vorbereitung

    CRM-Daten, Ziele, Argumente, Muster

  2. 2
    Kontaktphase

    Begrüßung, positive Atmosphäre

  3. 3
    Bedarfsermittlung

    offene Fragen stellen, aktiv zuhören

  4. 4
    Angebot und Argumentation

    Nutzen statt Merkmale: „Sie sparen 40 % Strom“ statt „LED mit 12 Watt“

  5. 5
    Einwandbehandlung

    Einwände ernst nehmen und entkräften

  6. 6
    Abschluss

    Kaufsignale erkennen, Auftrag festhalten

  7. 7
    Nachbereitung

    Gesprächsnotiz im CRM, Auftragsbestätigung, Nachfassen

MethodeSo geht esBeispiel
Ja-aber-Methodezustimmen, dann Gegenargument„Ja, der Preis ist höher. Aber die LED hält 50.000 Stunden.“
Bumerang-Methodeden Einwand in ein Argument umdrehen„Gerade weil Sie wenig Platz haben, passt die schlanke Aurora.“
Rückfrage-Methodenachfragen, was genau gemeint ist„Teuer im Vergleich wozu?“
Vorwegnahmeeinen erwarteten Einwand selbst ansprechen„Sie fragen sich vielleicht, warum die Nova mehr kostet ...“
KompensationNachteil durch Vorteil ausgleichen„Die Lieferzeit ist länger, dafür liefern wir frei Haus.“
Methoden der Einwandbehandlung
Prüfungsfalle

Hohe Zufriedenheit heißt nicht automatisch hohe Bindung. In Prüfungen wird gern behauptet, zufriedene Kunden seien immer treu. Das stimmt nicht. Umgekehrt kann ein unzufriedener Kunde gebunden sein, weil ein Vertrag oder hohe Wechselkosten ihn halten (Gebundenheit).

Zweite Falle bei der ABC-Analyse: Erst sortieren, dann kumulieren.

Eselsbrücke

Preis nennen mit der Sandwich-Methode: Nutzen, Preis, Nutzen. „Die Aurora spart Ihren Kunden Strom. Sie kostet 247,31 € netto. Und Sie erhalten 5 Jahre Garantie auf die LED.“ Der Preis liegt zwischen zwei Vorteilen.

Lieber schauen als lesen?

Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.

ABC-Analyse / Umsatzstrukturanalyse einfach erklärt - Beispiel & Berechnung & Theorie - Marketing
Die Merkhilfe Wirtschaft · auf YouTube öffnen

Fachbegriffe auf Englisch

In der Prüfung können englische Fachbegriffe vorkommen.

Kundenzufriedenheitcustomer satisfaction
Kundenbindungcustomer loyalty / customer retention
Kundenbeziehungsmanagementcustomer relationship management (CRM)
Beschwerdemanagementcomplaint management
Kundendienst nach dem Kaufafter-sales service
Einwandbehandlunghandling objections
Kundenwert über die gesamte Beziehungcustomer lifetime value (CLV)

Jetzt du

Starte mit den leichten Aufgaben. Falsche Antworten landen automatisch in deiner Wiederholungsliste.

0 von 11 gelöst
Aufgabe 1AuswahlEinstieg

Welche Aussage beschreibt Kundenbindung?

Aufgabe 2ZuordnenEinstieg

Ordne die Einwandbehandlung der Methode zu.

„Gerade deshalb ist die Leuchte ideal für Sie.“
„Teuer im Vergleich wozu?“
„Ja, das stimmt. Aber dafür ...“
„Die Lieferzeit ist länger, dafür liefern wir frei Haus.“
Aufgabe 3RechnenEinstieg

Lumen hat im Jahr 1.200 Lieferungen ausgeführt. 36 Lieferungen wurden reklamiert. Berechne die Reklamationsquote.

%
Aufgabe 4RechnenEinstieg

Von 850 Kunden des Vorjahres haben 340 in diesem Jahr erneut bestellt. Berechne die Wiederkaufrate.

%
Aufgabe 5RechnenPrüfungsniveau
Situation

Lumen erzielt mit 30 Kunden 3.000.000 € Umsatz. Die beiden größten Kunden: Möbelhaus Nordlicht 1.080.000 €, LampenWelt 720.000 €.

Welchen kumulierten Umsatzanteil in Prozent haben die beiden größten Kunden zusammen?

%
Aufgabe 6RechnenPrüfungsniveau
Situation

Ein neuer Händler bringt Lumen voraussichtlich 12.000 € Deckungsbeitrag pro Jahr. Die Geschäftsbeziehung soll 6 Jahre dauern. Für die Gewinnung (Besuche, Muster, Einführungsrabatt) gibt Lumen 8.000 € aus.

Berechne den vereinfachten Customer Lifetime Value (ohne Abzinsung).

€
Aufgabe 7ReihenfolgeEinstieg

Bringe die Phasen des Verkaufsgesprächs in die richtige Reihenfolge.

Mit den Pfeilen in die richtige Reihenfolge bringen.

  1. 1.Bedarfsermittlung
  2. 2.Kontaktphase
  3. 3.Vorbereitung
  4. 4.Abschluss
  5. 5.Einwandbehandlung
  6. 6.Angebot und Argumentation
  7. 7.Nachbereitung
Aufgabe 8Richtig/FalschPrüfungsniveau

ABC-Analyse der Kunden

A-Kunden sind wenige Kunden mit einem hohen Anteil am Umsatz.
Vor dem Kumulieren müssen die Kunden absteigend nach Umsatz sortiert werden.
C-Kunden sollten grundsätzlich nicht mehr beliefert werden.
Die ABC-Analyse kann auch nach Deckungsbeitrag statt nach Umsatz erstellt werden.
Aufgabe 9AuswahlPrüfungsniveau
Situation

Der Außendienst von Lumen besucht das Wohnwerk Einrichtungen, ohne zu wissen, dass es vor einer Woche eine Reklamation gab und eine Rechnung seit 40 Tagen offen ist.

Welche Lösung beseitigt dieses Problem am ehesten?

Aufgabe 10AuswahlKnifflig
Situation

Eine Befragung zeigt: 88 % der Händler sind mit Lumen „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Trotzdem ist die Wiederkaufrate von 52 % auf 40 % gesunken.

Welche Schlussfolgerungen sind richtig? (Mehrere Antworten möglich)

Mehrere Antworten sind richtig (3).

Aufgabe 11Freie AntwortKnifflig
Situation

Die Geschäftsführung von Lumen will die Kundenbindung bei den A-Kunden (Möbelhaus Nordlicht, LampenWelt) stärken. Du sollst ein Maßnahmenpaket vorschlagen.

Schlage vier Maßnahmen vor, ordne sie emotionaler oder vertraglicher Bindung zu und nenne für jede Maßnahme, welche interne Abteilung beteiligt ist. Nenne eine Kennzahl, mit der du den Erfolg misst.

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