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Betriebsabrechnungsbogen (BAB)

In 30 Sekunden

Im Betriebsabrechnungsbogen verteilst du die Gemeinkosten mit Schlüsseln auf die Kostenstellen Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. Daraus berechnest du Zuschlagssätze: MGK auf Fertigungsmaterial, FGK auf Fertigungslöhne, VwGK und VtGK auf die Herstellkosten des Umsatzes. Vergleichst du Normal- und Istzuschläge, erkennst du Kostenüber- oder -unterdeckungen.

Danach kannst du:
  • Haupt- und Hilfskostenstellen unterscheiden
  • Gemeinkosten mit passenden Schlüsseln auf Kostenstellen verteilen
  • Zuschlagsgrundlagen und Zuschlagssätze ermitteln
  • Herstellkosten der Erzeugung und des Umsatzes mit Bestandsveränderungen berechnen
  • Kostenüber- und Kostenunterdeckung berechnen und deuten

Einzelkosten wie Aluminium und Akkordlohn kannst du jeder Leuchte direkt zuordnen. Bei den Gemeinkosten geht das nicht. Damit sie trotzdem in den Preis der Aurora kommen, geht Lumen in zwei Schritten vor:

  1. Die Gemeinkosten werden dort gesammelt, wo sie entstehen: in Kostenstellen (Orte der Kostenentstehung, oft Abteilungen).
  2. Jede Kostenstelle bekommt eine Zuschlagsgrundlage. Das Verhältnis zwischen beiden ist der Zuschlagssatz, mit dem du später kalkulierst.

Das Werkzeug dafür ist der Betriebsabrechnungsbogen (BAB), eine große Tabelle.

Kostenstellen bei Lumen
  • Kostenstellen
    • Hauptkostenstellengeben ihre Kosten direkt an die Produkte weiter
      • MaterialEinkauf, Warenannahme, Rohstofflager
      • FertigungBiegen, Pulverbeschichten, Montage
      • VerwaltungGeschäftsleitung, Rechnungswesen, Personal
      • VertriebVerkauf, Fertigwarenlager, Versand
    • Hilfskostenstellenarbeiten anderen Stellen zu, werden auf sie umgelegt
      • allgemeine HilfskostenstellenFuhrpark, Kantine, Gebäude
      • FertigungshilfsstellenArbeitsvorbereitung, Werkzeugbau
So entsteht ein BAB
  1. 1
    Gemeinkosten übernehmen

    aus der Kostenartenrechnung (Ergebnistabelle)

  2. 2
    verteilen

    direkt nach Belegen oder indirekt nach Schlüsseln

  3. 3
    Hilfsstellen umlegen

    z. B. Fuhrpark nach gefahrenen Kilometern

  4. 4
    Summen bilden

    Gemeinkosten je Hauptkostenstelle

  5. 5
    Zuschlagssätze berechnen

    Gemeinkosten ÷ Zuschlagsgrundlage · 100

GemeinkostenartVerteilung nach
Hilfs- und BetriebsstoffeMaterialentnahmescheinen (direkt)
GehälterGehaltsliste (direkt)
AbschreibungenAnlagenkartei / Anlagenwerten
Miete, Raumkosten, HeizungFläche in m² (bzw. Raum in m³)
StromkWh-Zählern oder installierter Leistung
VersicherungenVersicherungswerten
Typische Verteilungsschlüssel
Beispiel: Raumkosten nach Fläche verteilen

Die Raumkosten betragen im März 48.000 €. Die Flächen: Material 400 m², Fertigung 1.600 m², Verwaltung 200 m², Vertrieb 200 m², zusammen 2.400 m².

48.000 € ÷ 2.400 m² = 20 € je m²

Material 400 · 20 = 8.000 €, Fertigung 1.600 · 20 = 32.000 €, Verwaltung 4.000 €, Vertrieb 4.000 €.

GemeinkostenartSummeSchlüsselMaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Hilfsstoffe37.000Entnahmescheine2.00030.0001.0004.000
Gehälter180.000Gehaltsliste24.00048.00072.00036.000
kalk. Abschreibungen90.0001 : 6 : 1 : 110.00060.00010.00010.000
Raumkosten48.000m² (400 : 1.600 : 200 : 200)8.00032.0004.0004.000
Sonstige Gemeinkosten66.0002 : 5 : 2 : 212.00030.00012.00012.000
Summe Gemeinkosten421.00056.000200.00099.00066.000
ZuschlagsgrundlageFM 280.000FL 160.000HKU 660.000HKU 660.000
Istzuschlagssatz20 %125 %15 %10 %
BAB der Lumen Leuchten GmbH, März (in €)
ZuschlagGrundlageFormel
Materialgemeinkosten (MGK)Fertigungsmaterial (FM)MGK ÷ FM · 100
Fertigungsgemeinkosten (FGK)Fertigungslöhne (FL)FGK ÷ FL · 100
Verwaltungsgemeinkosten (VwGK)Herstellkosten des Umsatzes (HKU)VwGK ÷ HKU · 100
Vertriebsgemeinkosten (VtGK)Herstellkosten des Umsatzes (HKU)VtGK ÷ HKU · 100
Welcher Zuschlag auf welche Grundlage?
Von den Einzelkosten zu den Herstellkosten des Umsatzes (März)
Fertigungsmaterial (FM)280.000 €
+Materialgemeinkosten (MGK)56.000 €
+Fertigungslöhne (FL)160.000 €
+Fertigungsgemeinkosten (FGK)200.000 €
=Herstellkosten der Erzeugung (HKE)696.000 €
−Mehrbestand an fertigen und unfertigen Erzeugnissen36.000 €
=Herstellkosten des Umsatzes (HKU)660.000 €
Prüfungsfalle

Bestandsveränderungen sind der Klassiker unter den Prüfungsfehlern:

  • Mehrbestand (Lager wächst): Es wurde mehr hergestellt als verkauft. Diese Leuchten stehen noch im Lager, also abziehen.
  • Minderbestand (Lager schrumpft): Es wurde auch aus dem Lager verkauft. Diese Herstellkosten stammen aus früheren Perioden, also addieren.

Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten beziehen sich auf die HKU, nicht auf die HKE. Verwaltet und verkauft wird, was umgesetzt wird.

Eselsbrücke

HKE = was hergestellt wurde. HKU = was umgesetzt (verkauft) wurde. Mehr ins Lager heißt weniger verkauft, darum minus.

Istzuschläge stehen erst am Monatsende fest. Für Angebote braucht Lumen aber sofort einen Preis. Darum kalkuliert die Vorkalkulation mit Normalzuschlägen: Durchschnittswerte vergangener Perioden.

Am Monatsende vergleicht man: Wurden mit den Normalzuschlägen mehr Gemeinkosten verrechnet als tatsächlich angefallen sind, liegt eine Kostenüberdeckung vor (günstig für das Ergebnis, aber die Preise waren eventuell zu hoch kalkuliert). Wurde zu wenig verrechnet, ist es eine Kostenunterdeckung (ungünstig, die Preise waren zu knapp kalkuliert).

KostenstelleNormalgemeinkostenIstgemeinkostenÜber-/Unterdeckung
Material (18 % von 280.000)50.40056.000−5.600 (Unterdeckung)
Fertigung (130 % von 160.000)208.000200.000+8.000 (Überdeckung)
Verwaltung (14 % von 662.400)92.73699.000−6.264 (Unterdeckung)
Vertrieb (10 % von 662.400)66.24066.000+240 (Überdeckung)
Summe417.376421.000−3.624 (Unterdeckung)
Normalzuschläge (MGK 18 %, FGK 130 %, VwGK 14 %, VtGK 10 %) gegen Istkosten, März (in €)
Merke
  • Normal-HKU = FM + Normal-MGK + FL + Normal-FGK ± Bestandsveränderungen (hier 280.000 + 50.400 + 160.000 + 208.000 − 36.000 = 662.400 €)
  • Normalgemeinkosten > Istgemeinkosten = Überdeckung
  • Normalgemeinkosten < Istgemeinkosten = Unterdeckung
  • Eine Unterdeckung mindert das Betriebsergebnis gegenüber der Kalkulation.
› Vertiefung: Hilfskostenstelle umlegen

Lumen führt den Fuhrpark als allgemeine Hilfskostenstelle. Er hat im März 12.000 € Gemeinkosten. Die Fahrzeuge fuhren 2.000 km für das Materiallager (Abholung bei Lieferanten) und 4.000 km für den Vertrieb (Auslieferung).

12.000 € ÷ 6.000 km = 2 € je km. Material bekommt 4.000 €, Vertrieb 8.000 € zusätzlich. Erst danach werden die Summen der Hauptkostenstellen und die Zuschlagssätze gebildet. Hilfskostenstellen haben selbst keinen Zuschlagssatz.

Lieber schauen als lesen?

Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.

Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) einfach erklärt
Herr Gerold · auf YouTube öffnen

Fachbegriffe auf Englisch

In der Prüfung können englische Fachbegriffe vorkommen.

Betriebsabrechnungsbogenoverhead allocation sheet
Kostenstellecost centre
Zuschlagssatzoverhead rate / mark-up rate
Herstellkostencost of production / manufacturing costs
Verteilungsschlüsselallocation key
Kostenunterdeckungunder-absorbed overheads

Jetzt du

Starte mit den leichten Aufgaben. Falsche Antworten landen automatisch in deiner Wiederholungsliste.

0 von 12 gelöst
Aufgabe 1AuswahlEinstieg

Auf welche Grundlage werden die Verwaltungsgemeinkosten bezogen?

Aufgabe 2RechnenEinstieg

Die Kostenstelle Material hat 45.600 € Gemeinkosten. Das Fertigungsmaterial beträgt 380.000 €. Berechne den MGK-Zuschlagssatz.

%
Aufgabe 3RechnenPrüfungsniveau

Im BAB stehen für die Fertigung 312.000 € Gemeinkosten. Die Fertigungslöhne betragen 240.000 €. Wie hoch ist der FGK-Zuschlagssatz?

%
Aufgabe 4RechnenPrüfungsniveau
Situation

Die Herstellkosten der Erzeugung betragen im April 980.000 €. Der Bestand an fertigen Erzeugnissen hat um 15.000 € abgenommen, der Bestand an unfertigen Erzeugnissen um 5.000 € zugenommen.

Berechne die Herstellkosten des Umsatzes.

€
Aufgabe 5RechnenPrüfungsniveau
Situation

Die Raumkosten von 36.000 € sollen nach Fläche verteilt werden: Material 300 m², Fertigung 1.200 m², Verwaltung 150 m², Vertrieb 150 m².

Welcher Betrag entfällt auf die Fertigung?

€
Aufgabe 6RechnenPrüfungsniveau

Die Verwaltungsgemeinkosten betragen 118.800 €, die Herstellkosten des Umsatzes 990.000 €. Berechne den VwGK-Zuschlagssatz.

%
Aufgabe 7RechnenPrüfungsniveau
Situation

Lumen kalkuliert mit einem Normalzuschlag von 130 % auf die Fertigungslöhne. Im März betrugen die Fertigungslöhne 160.000 €, die tatsächlich angefallenen Fertigungsgemeinkosten 200.000 €.

Wie hoch ist die Kostenüberdeckung in der Fertigung?

€
Aufgabe 8ZuordnenEinstieg

Ordne jeder Gemeinkostenart den passenden Verteilungsschlüssel zu.

Heizung und Miete
Strom
Hilfsstoffe
Gehälter
Abschreibungen
Aufgabe 9Richtig/FalschPrüfungsniveau

Richtig oder falsch?

Ein Mehrbestand an fertigen Erzeugnissen wird zu den Herstellkosten der Erzeugung addiert, um die HKU zu erhalten.
Liegen die Normalgemeinkosten über den Istgemeinkosten, spricht man von Kostenüberdeckung.
Für Angebote nutzt die Vorkalkulation die Istzuschläge des laufenden Monats.
Hilfskostenstellen werden auf Hauptkostenstellen umgelegt und haben keinen eigenen Zuschlagssatz.
Aufgabe 10RechnenKnifflig
Situation

Der BAB der Lumen Leuchten GmbH für Mai zeigt folgende Summen der Gemeinkosten:

MaterialFertigungVerwaltungVertrieb
35.000 €270.000 €96.200 €51.800 €

Fertigungsmaterial: 250.000 €, Fertigungslöhne: 180.000 €. Mehrbestand an unfertigen Erzeugnissen: 12.000 €, Minderbestand an fertigen Erzeugnissen: 17.000 €.

Berechne den Istzuschlagssatz für die Vertriebsgemeinkosten.

%
Aufgabe 11RechnenKnifflig
Situation

Gleiche Daten wie in der vorigen Aufgabe (Mai). Lumen kalkuliert mit diesen Normalzuschlägen: MGK 15 %, FGK 145 %, VwGK 12 %, VtGK 8 %. Die Istgemeinkosten betragen insgesamt 453.000 €.

Ermittle die gesamte Kostenüber- bzw. -unterdeckung. Gib eine Unterdeckung als negative Zahl ein.

€
Aufgabe 12Freie AntwortKnifflig
Situation

Die Geschäftsführerin sieht im BAB für Mai eine Unterdeckung von 9.000 € in der Fertigung und fragt dich, was das bedeutet.

Erkläre, was die Unterdeckung aussagt, nenne zwei mögliche Ursachen und eine Maßnahme.

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