Finanzierungsarten
In 30 Sekunden
Finanzierung heißt: Geld für das Unternehmen beschaffen. Du unterscheidest nach der Herkunft (von außen oder aus dem Unternehmen selbst) und nach der Rechtsstellung (Eigentümer oder Gläubiger). Mehr Fremdkapital kann die Eigenkapitalrendite steigern, solange die Zinsen niedriger sind als die Gesamtkapitalrendite (Leverage-Effekt).
- Du ordnest Finanzierungsformen nach Mittelherkunft und Rechtsstellung ein.
- Du erklärst Beteiligungs-, Kredit- und Selbstfinanzierung (offen und still).
- Du beschreibst die Finanzierung aus Abschreibungen und aus Rückstellungen sowie Factoring.
- Du berechnest den Leverage-Effekt und erkennst sein Risiko.
- Du berechnest einen einfachen Kapitalbedarf.
Lumen will eine neue Fertigungslinie für die Pendelleuchte „Luna“ bauen. Woher kommt das Geld? Zwei Fragen helfen beim Sortieren:
- Mittelherkunft: Kommt das Geld von außen (Außenfinanzierung) oder wird es im Unternehmen selbst erwirtschaftet (Innenfinanzierung)?
- Rechtsstellung: Wird der Geldgeber Miteigentümer (Eigenfinanzierung) oder Gläubiger mit Anspruch auf Rückzahlung und Zinsen (Fremdfinanzierung)?
| Eigenfinanzierung | Fremdfinanzierung | |
|---|---|---|
| Außenfinanzierung | Beteiligungsfinanzierung: Gesellschafter zahlen Kapital ein, neue Gesellschafter treten ein, Kapitalerhöhung | Kreditfinanzierung: Darlehen, Kontokorrentkredit, Lieferantenkredit |
| Innenfinanzierung | Selbstfinanzierung: Gewinne werden einbehalten (offen oder still) | Finanzierung aus Rückstellungen, vor allem Pensionsrückstellungen |
Dazu kommt die Finanzierung aus Vermögensumschichtung. Hier entsteht kein neues Kapital, sondern gebundenes Vermögen wird zu Geld:
- Abschreibungsrückflüsse: Abschreibungen stecken in den Verkaufspreisen. Verkauft Lumen Leuchten, fließt das Geld zurück, obwohl die Abschreibung keine Auszahlung ist.
- Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Vermögen (z. B. ungenutztes Grundstück)
- Factoring und Sale-and-lease-back als Sonderformen (manche Lehrbücher ordnen sie stattdessen als Kreditersatz der Außenfinanzierung zu)
- •Gewinn wird nicht ausgeschüttet, sondern einbehalten
- •In der Bilanz sichtbar: Gewinnrücklagen oder Gewinnvortrag steigen
- •Beispiel: Lumen behält von 260.000 € Jahresüberschuss 150.000 € ein
- •Durch Bildung stiller Reserven, in der Bilanz nicht sichtbar
- •Vermögen wird niedriger, Schulden höher bewertet als ihr tatsächlicher Wert (im Rahmen der Bewertungsregeln)
- •Beispiel: Grundstück steht mit 300.000 € Anschaffungskosten in der Bilanz, ist aber 600.000 € wert
Lumen hat 5 Maschinen zu je 10.000 €, Nutzungsdauer 5 Jahre, also je 2.000 € Abschreibung im Jahr. Die Abschreibungsbeträge werden über die Verkaufspreise verdient und sofort in neue Maschinen gesteckt:
| Jahr | Abschreibungsrückfluss + Rest | Neukauf | Maschinen danach | Rest |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 5 × 2.000 = 10.000 € | 1 | 6 | 0 € |
| 2 | 6 × 2.000 = 12.000 € | 1 | 7 | 2.000 € |
| 3 | 7 × 2.000 + 2.000 = 16.000 € | 1 | 8 | 6.000 € |
Die Kapazität wächst, ohne dass neues Kapital von außen kommt. Voraussetzung: Die Abschreibungen werden über den Umsatz tatsächlich verdient.
Solange der Fremdkapitalzins kleiner ist als die Gesamtkapitalrentabilität, steigt die Eigenkapitalrentabilität mit jedem zusätzlichen Euro Fremdkapital. Ist der Zins höher, dreht sich der Hebel um und die Eigenkapitalrentabilität sinkt (Leverage-Risiko).
| Fall A: nur EK | Fall B: FK-Zins 5 % | Fall C: FK-Zins 12 % | |
|---|---|---|---|
| Eigenkapital | 1.000.000 € | 400.000 € | 400.000 € |
| Fremdkapital | 0 € | 600.000 € | 600.000 € |
| Gewinn vor Zinsen | 100.000 € | 100.000 € | 100.000 € |
| − Zinsen | 0 € | 30.000 € | 72.000 € |
| = Gewinn | 100.000 € | 70.000 € | 28.000 € |
| EK-Rentabilität | 10,00 % | 17,50 % | 7,00 % |
- Außen = Geld kommt von außerhalb. Innen = Geld wird über den Umsatz erwirtschaftet.
- Eigen = Geldgeber wird Eigentümer, keine Rückzahlungspflicht. Fremd = Gläubiger, Zins und Tilgung.
- Leverage: Fremdkapital lohnt, wenn es weniger kostet, als es einbringt. Mehr Fremdkapital heißt aber auch mehr Risiko und weniger Unabhängigkeit.
- Rückstellungen sind Innenfinanzierung, aber Fremdfinanzierung (es sind Schulden). Nicht mit Selbstfinanzierung verwechseln.
- Beteiligungsfinanzierung ist Außen- und Eigenfinanzierung. Das Geld kommt von außen, aber von Eigentümern.
- Abschreibungen sind Aufwand, aber keine Auszahlung. Darum setzen sie Geld frei.
› Kapitalbedarfsrechnung kurz
Bevor Lumen finanziert, muss klar sein, wie viel Geld gebraucht wird.
- Anlagekapitalbedarf: Kaufpreise für Gebäude, Maschinen, Ausstattung einschließlich Nebenkosten
- Umlaufkapitalbedarf = durchschnittliche tägliche Ausgaben × Kapitalbindungsdauer in Tagen
- Kapitalbindungsdauer = Lagerdauer Rohstoffe + Produktionsdauer + Lagerdauer Fertigerzeugnisse + Kundenziel − Lieferantenziel
Beispiel: Tägliche Ausgaben 4.000 €. Rohstofflager 20 Tage, Produktion 10 Tage, Fertiglager 15 Tage, Kundenziel 30 Tage, Lieferantenziel 15 Tage. Bindungsdauer = 20 + 10 + 15 + 30 − 15 = 60 Tage → Umlaufkapitalbedarf = 60 × 4.000 € = 240.000 €. Mit 500.000 € Anlagekapitalbedarf: Gesamtkapitalbedarf 740.000 €.
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Ordne die Finanzierungsart dem richtigen Feld zu.
Welche Vorgänge gehören zur Innenfinanzierung?
Mehrere Antworten sind richtig (3).
Die Lumen Leuchten GmbH erzielt einen Jahresüberschuss von 260.000 €. 110.000 € werden an die Gesellschafter ausgeschüttet. Wie hoch ist die offene Selbstfinanzierung?
Gesamtkapital 1.000.000 €, Gewinn vor Zinsen 100.000 €. Finanzierung: 400.000 € Eigenkapital, 600.000 € Fremdkapital zu 5 % Zinsen.
Wie hoch ist die Eigenkapitalrentabilität in Prozent?
Gleiche Ausgangslage wie zuvor (Gesamtkapital 1.000.000 €, Gewinn vor Zinsen 100.000 €, 400.000 € EK, 600.000 € FK), aber der Fremdkapitalzins steigt auf 12 %.
Wie hoch ist jetzt die Eigenkapitalrentabilität in Prozent?
Lumen plant eine neue Fertigungslinie. Investitionssumme 1.000.000 €, erwarteter Gewinn vor Zinsen 100.000 € im Jahr. Die Gesellschafter wollen nur 250.000 € Eigenkapital einbringen, der Rest soll über ein Darlehen zu 6 % finanziert werden.
Welche Eigenkapitalrentabilität ergibt sich für die Gesellschafter (in %)?
Für die neue Fertigungslinie braucht Lumen Maschinen und Gebäudeumbau für 500.000 €. Die durchschnittlichen täglichen Ausgaben für Material, Löhne usw. betragen 4.000 €. Rohstoffe liegen 20 Tage auf Lager, die Fertigung dauert 10 Tage, die fertigen Leuchten liegen 15 Tage im Lager. Kunden zahlen nach 30 Tagen, Lumen selbst zahlt seine Lieferanten nach 15 Tagen.
Wie hoch ist der Gesamtkapitalbedarf?
Richtig oder falsch?
Lumen verkauft seine Forderungen laufend an eine Factoring-Gesellschaft (echtes Factoring). Welche Funktionen übernimmt der Factor?
Mehrere Antworten sind richtig (3).
Die Gesellschafter der Lumen Leuchten GmbH diskutieren, ob die neue Fertigungslinie (1 Mio. €) durch Aufnahme eines neuen Gesellschafters oder durch ein Bankdarlehen finanziert werden soll.
Vergleiche Beteiligungs- und Kreditfinanzierung anhand von vier Kriterien.
Karteikarten
Mit Wiederholungsplan lernen: Karteikarten-Trainer