Jahresabschluss: Bestandteile, Inventur und Bilanz
In 30 Sekunden
Am Ende jedes Geschäftsjahres zählt das Unternehmen alles (Inventur), schreibt es auf (Inventar) und fasst es kurz zusammen (Bilanz). Dazu kommt die GuV, die zeigt, wie der Gewinn entstanden ist. Kapitalgesellschaften wie die Lumen Leuchten GmbH brauchen zusätzlich einen Anhang und ab mittlerer Größe einen Lagebericht.
- Du kannst die Bestandteile des Jahresabschlusses je Rechtsform nennen.
- Du unterscheidest Inventur, Inventar und Bilanz und kennst die vier Inventurarten.
- Du kannst eine Bilanz nach § 266 HGB vereinfacht gliedern.
- Du kannst eine GuV nach dem Gesamtkostenverfahren lesen und den Jahresüberschuss berechnen.
- Du kennst Aufstellungsfristen, Gewinnverwendung und Offenlegung in Grundzügen.
Der Jahresabschluss ist das Zeugnis des Unternehmens für ein Geschäftsjahr. Er zeigt, was das Unternehmen besitzt, was es schuldet und ob es Gewinn gemacht hat.
Pflicht dazu hat jeder Kaufmann (§ 242 HGB). Wie umfangreich der Abschluss sein muss, hängt von Rechtsform und Größe ab.
| Wer? | Bestandteile | Frist zur Aufstellung |
|---|---|---|
| Einzelkaufleute, OHG, KG | Bilanz + GuV (§ 242 HGB) | „innerhalb der einem ordnungsmäßigen Geschäftsgang entsprechenden Zeit“ (§ 243 Abs. 3 HGB) |
| kleine Kapitalgesellschaft | Bilanz + GuV + Anhang | bis zu 6 Monate (§ 264 Abs. 1 HGB) |
| mittelgroße und große Kapitalgesellschaft | Bilanz + GuV + Anhang, zusätzlich Lagebericht | 3 Monate (§ 264 Abs. 1 HGB) |
Was heißt klein, mittelgroß, groß? Das regelt § 267 HGB mit drei Merkmalen: Bilanzsumme, Umsatzerlöse und Arbeitnehmerzahl. Eine Größenklasse gilt, wenn mindestens zwei von drei Merkmalen an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen passen.
| Größenklasse | Bilanzsumme bis | Umsatzerlöse bis | Arbeitnehmer bis |
|---|---|---|---|
| klein | 7,5 Mio. € | 15 Mio. € | 50 |
| mittelgroß | 25 Mio. € | 50 Mio. € | 250 |
| groß | darüber | darüber | darüber |
Stand 2026 (Werte seit der Anhebung 2024). In der Prüfung bekommst du die Grenzen meist vorgegeben.
Lumen hat eine Bilanzsumme von 5,2 Mio. €, Umsatzerlöse von 8 Mio. € und rund 120 Mitarbeitende.
- Bilanzsumme: unter 7,5 Mio. € (klein)
- Umsatz: unter 15 Mio. € (klein)
- Mitarbeitende: über 50 (nicht klein)
Zwei von drei Merkmalen liegen im Bereich „klein“. Lumen ist also eine kleine GmbH und muss Bilanz, GuV und Anhang aufstellen, aber keinen Lagebericht.
- 1Inventur
Die Tätigkeit: Alle Vermögensteile und Schulden werden mengen- und wertmäßig erfasst (zählen, messen, wiegen; Kontoauszüge prüfen). Pflicht nach § 240 HGB.
- 2Inventar
Das Ergebnis: ein ausführliches Verzeichnis in Staffelform. A. Vermögen − B. Schulden = C. Reinvermögen (Eigenkapital).
- 3Bilanz
Die kurze Gegenüberstellung in Kontenform: links Aktiva (Mittelverwendung), rechts Passiva (Mittelherkunft). Nur Summen je Posten.
- Inventur
- Stichtagsinventurkörperliche Aufnahme zeitnah zum Bilanzstichtag, in der Regel innerhalb von 10 Tagen davor oder danach (R 5.3 Abs. 1 EStR)
- Verlegte Inventur§ 241 Abs. 3 HGB: innerhalb von 3 Monaten vor bis 2 Monaten nach dem Stichtag; Werte werden auf den Stichtag fortgeschrieben bzw. zurückgerechnet
- Permanente Inventur§ 241 Abs. 2 HGB: Bestände laufend aus der Lagerbuchführung; jeder Artikel mindestens einmal im Jahr körperlich gezählt
- Stichprobeninventur§ 241 Abs. 1 HGB: mathematisch-statistische Verfahren, nur ein Teil wird gezählt und hochgerechnet
Inventur = du tust etwas (zählen). Inventar = das Papier, das dabei herauskommt. Wie „Einkaufen“ und „Einkaufszettel“, nur umgekehrt.
| Aktiva | € | Passiva | € |
|---|---|---|---|
| A. Anlagevermögen | A. Eigenkapital | 2.080.000 | |
| Grundstücke und Gebäude | 1.800.000 | B. Rückstellungen | 120.000 |
| Technische Anlagen und Maschinen | 1.200.000 | C. Verbindlichkeiten | |
| Betriebs- und Geschäftsausstattung | 400.000 | Darlehen (langfristig) | 1.900.000 |
| B. Umlaufvermögen | Verbindlichkeiten aLuL | 700.000 | |
| Vorräte | 900.000 | sonstige Verbindlichkeiten | 400.000 |
| Forderungen aLuL | 650.000 | ||
| Kasse, Bankguthaben | 250.000 | ||
| Summe | 5.200.000 | Summe | 5.200.000 |
- Aktiva zeigen, wo das Geld steckt (Mittelverwendung). Sortiert nach Liquidität: das am schwersten zu Geld zu machende oben (Grundstücke), das flüssigste unten (Bank).
- Passiva zeigen, woher das Geld kommt (Mittelherkunft). Sortiert nach Fälligkeit: Eigenkapital oben, kurzfristige Schulden unten.
- Summe Aktiva = Summe Passiva. Immer.
Beim Gesamtkostenverfahren stehen alle Aufwendungen der Periode in der GuV, auch für Leuchten, die noch im Lager liegen. Darum wird eine Bestandserhöhung als Ertrag addiert (und eine Bestandsminderung abgezogen). Das Umsatzkostenverfahren (§ 275 Abs. 3 HGB) zieht dagegen nur die Herstellungskosten der verkauften Produkte ab.
Gewinnverwendung bei der GmbH: Jahresüberschuss + Gewinnvortrag − Verlustvortrag − Einstellung in Gewinnrücklagen = Bilanzgewinn. Über die Ausschüttung an die Gesellschafter beschließt die Gesellschafterversammlung.
Offenlegung: Kapitalgesellschaften müssen ihren Abschluss elektronisch beim Unternehmensregister einreichen, spätestens ein Jahr nach dem Abschlussstichtag (§ 325 HGB). Kleine Kapitalgesellschaften müssen nur Bilanz und Anhang offenlegen, nicht die GuV (§ 326 HGB).
- „Kleine GmbH braucht keinen Anhang.“ Falsch: Jede Kapitalgesellschaft braucht einen Anhang. Kleine sparen sich nur den Lagebericht.
- Die Größenklasse entscheidet sich nach zwei von drei Merkmalen, nicht nach der Mitarbeiterzahl allein.
- Inventur und Inventar nicht verwechseln: Die Inventur ist der Vorgang, das Inventar das Verzeichnis.
› Vertiefung: Kleinstkapitalgesellschaften und Prüfungspflicht
- Kleinstkapitalgesellschaften (§ 267a HGB) dürfen eine stark verkürzte Bilanz aufstellen und auf den Anhang verzichten, wenn bestimmte Angaben unter der Bilanz stehen.
- Prüfungspflicht: Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften müssen ihren Abschluss von einem Abschlussprüfer prüfen lassen (§ 316 HGB). Kleine nicht.
- Kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften brauchen zusätzlich eine Kapitalflussrechnung und einen Eigenkapitalspiegel (§ 264 Abs. 1 HGB).
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Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.
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Ordne jeder Rechtsform die Pflichtbestandteile des Jahresabschlusses zu.
Ordne die Inventurart der passenden Beschreibung zu.
Richtig oder falsch?
Laut Inventar hat die Lumen Leuchten GmbH ein Vermögen von 5.200.000 € und Schulden von 3.120.000 €. Wie hoch ist das Reinvermögen (Eigenkapital)?
Die GuV der Lumen Leuchten GmbH (Gesamtkostenverfahren) enthält: Umsatzerlöse 8.000.000 €, Bestandserhöhung fertige Erzeugnisse 50.000 €, sonstige betriebliche Erträge 30.000 €, Materialaufwand 3.400.000 €, Personalaufwand 3.100.000 €, Abschreibungen 420.000 €, sonstige betriebliche Aufwendungen 680.000 €, Zinsaufwendungen 95.000 €, Steuern vom Einkommen und Ertrag 115.000 €, sonstige Steuern 10.000 €.
Berechne den Jahresüberschuss.
Die Lumen Leuchten GmbH hat einen Jahresüberschuss von 260.000 €. Aus dem Vorjahr gibt es einen Gewinnvortrag von 10.000 €. Die Geschäftsführung stellt 120.000 € in die anderen Gewinnrücklagen ein.
Wie hoch ist der Bilanzgewinn?
Eine GmbH hat in den letzten beiden Jahren jeweils: Bilanzsumme 9 Mio. €, Umsatzerlöse 12 Mio. €, 70 Arbeitnehmer. Grenzen kleine Kapitalgesellschaft: 7,5 Mio. € / 15 Mio. € / 50 Arbeitnehmer.
Welche Größenklasse liegt vor?
Bringe die Aktivposten in die Reihenfolge nach § 266 HGB (oben beginnend).
Mit den Pfeilen in die richtige Reihenfolge bringen.
- 1.Technische Anlagen und Maschinen
- 2.Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten
- 3.Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
- 4.Betriebs- und Geschäftsausstattung
- 5.Grundstücke und Gebäude
- 6.Vorräte
Die Lumen Leuchten GmbH hat ein großes Fertigwarenlager mit über 400 Artikeln. Der Lagerleiter beschwert sich, dass das Lager am 31.12. für die Inventur zwei Tage geschlossen werden muss, mitten im Jahresendgeschäft.
Schlage zwei Inventurverfahren vor, die das Problem lösen, und nenne jeweils eine Voraussetzung.
Karteikarten
Mit Wiederholungsplan lernen: Karteikarten-Trainer