Bewertung und Abschreibung
In 30 Sekunden
Im Jahresabschluss muss jeder Vermögensgegenstand einen Wert bekommen. Ausgangspunkt sind die Anschaffungskosten, und das Vorsichtsprinzip sorgt dafür, dass du dich nie reicher rechnest, als du bist. Abnutzbare Anlagen verlieren jedes Jahr an Wert: Das zeigt die Abschreibung.
- Du kannst die wichtigsten Bewertungsgrundsätze (Vorsicht, Imparität, Niederstwert-, Höchstwertprinzip) erklären.
- Du berechnest Anschaffungskosten richtig (ohne Vorsteuer, mit Nebenkosten, abzüglich Minderungen).
- Du berechnest die lineare Abschreibung monatsgenau und den Restbuchwert.
- Du kennst degressive Abschreibung, Leistungsabschreibung und außerplanmäßige Abschreibung.
- Du ordnest geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) und den Sammelposten richtig ein.
Bewerten heißt: Jeder Posten der Bilanz bekommt einen Eurobetrag. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Was ist eine drei Jahre alte Lackieranlage wert? Was ein Lager voller Kupferdraht, dessen Preis gerade fällt?
Damit nicht jedes Unternehmen rechnet, wie es ihm gefällt, gibt das HGB Bewertungsgrundsätze vor (§ 252, § 253 HGB).
- Vorsichtsprinzip (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB)
- RealisationsprinzipGewinne erst ausweisen, wenn sie durch Umsatz verwirklicht sind
- ImparitätsprinzipVerluste schon ausweisen, wenn sie absehbar sind (ungleiche Behandlung von Gewinn und Verlust)
- NiederstwertprinzipVermögen: vom Anschaffungswert und Tageswert den niedrigeren nehmen
- HöchstwertprinzipSchulden: vom Entstehungswert und Tageswert den höheren nehmen
- AnschaffungskostenprinzipObergrenze ist immer der Anschaffungs- oder Herstellungswert (§ 253 Abs. 1 HGB)
- •Bei voraussichtlich dauernder Wertminderung muss abgeschrieben werden.
- •Bei nur vorübergehender Wertminderung darf nicht abgeschrieben werden.
- •Ausnahme Finanzanlagen: dort Wahlrecht bei vorübergehender Minderung.
- •§ 253 Abs. 3 HGB
- •Liegt der Stichtagswert unter den Anschaffungskosten, muss immer abgeschrieben werden.
- •Egal ob die Minderung dauerhaft oder vorübergehend ist.
- •Beispiel: Rohstoffe, Handelswaren, Wertpapiere des Umlaufvermögens.
- •§ 253 Abs. 4 HGB
Lumen hat Kupferdraht für 40.000 € eingekauft. Am 31.12. kostet dieselbe Menge am Markt nur noch 34.000 €.
Vorräte gehören zum Umlaufvermögen, also gilt das strenge Niederstwertprinzip: Ansatz 34.000 €, Abschreibung 6.000 €.
Wäre der Marktpreis auf 45.000 € gestiegen? Dann bleibt es bei 40.000 €. Mehr als die Anschaffungskosten darf nie angesetzt werden, der Gewinn von 5.000 € ist noch nicht realisiert.
- Die Umsatzsteuer gehört nicht zu den Anschaffungskosten, wenn das Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt ist. Die Lumen GmbH holt sich die Vorsteuer vom Finanzamt zurück.
- Finanzierungskosten (Zinsen für den Kredit, mit dem die Maschine bezahlt wird) gehören nicht dazu.
- Skonto und Rabatt werden abgezogen, auch wenn die Rechnung erst später bezahlt wird (sobald Skonto gezogen ist).
Herstellungskosten (§ 255 Abs. 2 HGB) brauchst du für selbst hergestellte Erzeugnisse, z. B. fertige „Aurora“-Stehleuchten im Lager.
- Pflicht: Materialeinzelkosten, Fertigungseinzelkosten, Sondereinzelkosten der Fertigung, angemessene Teile der Material- und Fertigungsgemeinkosten und der Abschreibungen.
- Wahlrecht: allgemeine Verwaltungskosten, Kosten für soziale Einrichtungen und freiwillige soziale Leistungen, betriebliche Altersversorgung.
- Verbot: Vertriebskosten und Forschungskosten.
Die Nutzungsdauer steht in den amtlichen AfA-Tabellen. Im Anschaffungsjahr wird monatsgenau abgeschrieben: Der Monat der Anschaffung zählt voll mit (§ 7 Abs. 1 Satz 4 EStG).
Restbuchwert = Anschaffungskosten − bisherige Abschreibungen.
Anschaffungskosten 46.200 €, Nutzungsdauer 10 Jahre.
- Jahres-AfA: 46.200 € ÷ 10 = 4.620 €
- 2026 zählen die Monate März bis Dezember = 10 Monate
- AfA 2026: 4.620 € × 10/12 = 3.850 €
- Restbuchwert 31.12.2026: 46.200 € − 3.850 € = 42.350 €
- AfA 2027: volle 4.620 €, Restbuchwert 31.12.2027: 37.730 €
Abschreibungsplan
Im Anschaffungsjahr wird monatsgenau (zeitanteilig) abgeschrieben, der Anschaffungsmonat zählt voll mit.
| Jahr | Abschreibung | Restbuchwert | |
|---|---|---|---|
| 1 | 4.500,00 € | 43.500,00 € | |
| 2 | 6.000,00 € | 37.500,00 € | |
| 3 | 6.000,00 € | 31.500,00 € | |
| 4 | 6.000,00 € | 25.500,00 € | |
| 5 | 6.000,00 € | 19.500,00 € | |
| 6 | 6.000,00 € | 13.500,00 € | |
| 7 | 6.000,00 € | 7.500,00 € | |
| 8 | 6.000,00 € | 1.500,00 € | |
| 9 | 1.500,00 € | 0,00 € |
Linearer Satz: 12,5 % pro Jahr. Wird das Gut am Ende noch genutzt, bleibt in der Bilanz oft ein Erinnerungswert von 1 €.
| Art | So funktioniert sie | Beispiel Lumen |
|---|---|---|
| Leistungsabschreibung | AK ÷ Gesamtleistung × Jahresleistung. Passt, wenn die Nutzung stark schwankt. | Lieferwagen 48.000 €, 240.000 km Gesamtleistung, 36.000 km im Jahr: 7.200 € |
| Außerplanmäßige Abschreibung | Zusätzlich zur planmäßigen AfA bei voraussichtlich dauernder Wertminderung (§ 253 Abs. 3 Satz 5 HGB). | Maschine wird durch neue Technik dauerhaft entwertet |
| Erinnerungswert | Ist eine Anlage voll abgeschrieben, aber noch im Betrieb, bleibt sie mit 1 € in den Büchern. | Alte Stanze, abgeschrieben, läuft noch: 1 € |
› Vertiefung: Degressive Abschreibung (Stand 2026)
Bei der degressiven Abschreibung wird jedes Jahr ein fester Prozentsatz vom Restbuchwert abgeschrieben. Die Beträge werden dadurch jedes Jahr kleiner. Der Restbuchwert wird nie ganz null.
Aktuelle Rechtslage (Steuerrecht): Durch das Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm (BGBl. 2025 I Nr. 161) ist die degressive AfA wieder erlaubt für bewegliche Wirtschaftsgüter, die vom 1.7.2025 bis 31.12.2027 angeschafft oder hergestellt werden (§ 7 Abs. 2 EStG). Der Satz ist höchstens das Dreifache des linearen Satzes und höchstens 30 %.
| Nutzungsdauer | linearer Satz | × 3 | erlaubter degressiver Satz |
|---|---|---|---|
| 5 Jahre | 20 % | 60 % | 30 % |
| 10 Jahre | 10 % | 30 % | 30 % |
| 20 Jahre | 5 % | 15 % | 15 % |
Beispiel: Maschine, AK 60.000 €, gekauft im Januar 2026, Nutzungsdauer 10 Jahre, Satz 30 %.
| Jahr | Abschreibung | Restbuchwert |
|---|---|---|
| 1 | 18.000,00 € | 42.000,00 € |
| 2 | 12.600,00 € | 29.400,00 € |
| 3 | 8.820,00 € | 20.580,00 € |
Ein Wechsel von degressiv zu linear ist erlaubt (§ 7 Abs. 3 EStG). Er lohnt sich, sobald der lineare Betrag (Restbuchwert ÷ Restnutzungsdauer) höher ist als der degressive. Im Beispiel ist das im 8. Jahr der Fall. Auch die degressive AfA wird im Anschaffungsjahr zeitanteilig berechnet.
Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sind bewegliche, abnutzbare, selbstständig nutzbare Anlagegüter (Stand 2026, § 6 Abs. 2 und 2a EStG, Nettowerte):
- bis 250 €: sofort als Aufwand buchen
- 250,01 € bis 800 €: Sofortabschreibung als GWG möglich (Wahlrecht)
- 250,01 € bis 1.000 €: alternativ Sammelposten, der über 5 Jahre mit je 20 % aufgelöst wird
- über 1.000 €: normal über die Nutzungsdauer abschreiben
Wer den Sammelposten wählt, muss ihn für alle Wirtschaftsgüter von 250,01 € bis 1.000 € im selben Jahr nutzen.
- Bei der Monatsrechnung zählt der Anschaffungsmonat voll mit. Kauf am 14. März = 10 Monate, nicht 9.
- Die GWG-Grenzen sind Nettowerte. Ein Bürostuhl für 952 € brutto kostet 800 € netto und ist damit noch ein GWG.
- GWG muss selbstständig nutzbar sein. Einzelne Regalteile, die nur zusammen mit dem ganzen Regal funktionieren, sind es nicht. Dann zählt der Preis des ganzen Regals.
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Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.
Fachbegriffe auf Englisch
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Lumen kauft eine Maschine. Welche Positionen verändern die Höhe der Anschaffungskosten? (Lumen ist vorsteuerabzugsberechtigt.)
Mehrere Antworten sind richtig (3).
Listenpreis einer Maschine 50.000 € netto, 10 % Rabatt, 2 % Skonto, Fracht 1.200 €, Montage 900 €. Wie hoch sind die Anschaffungskosten?
Die Fräse (Anschaffungskosten 46.200 €, Nutzungsdauer 10 Jahre) wurde am 14.03.2026 geliefert und in Betrieb genommen.
Wie hoch ist die lineare Abschreibung für 2026?
Fortsetzung: Fräse, AK 46.200 €, Nutzungsdauer 10 Jahre, Anschaffung 14.03.2026, lineare Abschreibung.
Wie hoch ist der Restbuchwert am 31.12.2027?
Ein Lieferwagen kostet 48.000 €. Seine Gesamtfahrleistung wird auf 240.000 km geschätzt. Im Jahr fährt er 36.000 km. Wie hoch ist die Leistungsabschreibung für dieses Jahr?
Eine Verpackungsmaschine (beweglich, Anschaffung im August 2026) hat eine Nutzungsdauer von 8 Jahren. Wie viel Prozent beträgt der höchstzulässige degressive Abschreibungssatz nach aktueller Rechtslage (Dreifaches des linearen Satzes, höchstens 30 %)?
Lumen kauft im Januar 2026 eine Pulverbeschichtungsanlage für 60.000 € (Nutzungsdauer 10 Jahre) und schreibt sie degressiv mit 30 % ab.
Wie hoch ist der Abschreibungsbetrag im zweiten Jahr (2027)? Runde auf 2 Nachkommastellen.
Die Fräse (AK 46.200 €, Anschaffung 14.03.2026, ND 10 Jahre, linear) hat am 31.12.2027 einen Buchwert von 37.730 € nach planmäßiger Abschreibung. Ein neues Laserverfahren macht sie dauerhaft weniger wert. Ihr beizulegender Wert beträgt nur noch 30.000 €.
Wie hoch ist die außerplanmäßige Abschreibung zum 31.12.2027?
Lumen kauft im Jahr 2026 folgende bewegliche, selbstständig nutzbare Anlagegüter (Nettopreise). Lumen bildet keinen Sammelposten. Wie werden sie behandelt?
Richtig oder falsch?
Der Azubi Jonas wundert sich: „Unser Kupferdraht ist im Wert um 5.000 € gestiegen, das schreiben wir nicht auf. Aber als er letztes Jahr um 6.000 € gefallen ist, haben wir sofort abgeschrieben. Das ist doch unfair.“
Erkläre Jonas, warum das so ist. Nenne die zugrunde liegenden Prinzipien.
Karteikarten
Mit Wiederholungsplan lernen: Karteikarten-Trainer