Der Kaufvertrag
In 30 Sekunden
Ein Kaufvertrag entsteht durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen: Antrag und Annahme. Er verpflichtet den Verkäufer zur Übergabe und Übereignung, den Käufer zur Zahlung und Abnahme (§ 433 BGB). Erfüllt wird er erst durch ein zweites Geschäft, die Übergabe der Ware und des Geldes.
- das Zustandekommen eines Kaufvertrags in verschiedenen Varianten erklären
- Verpflichtungs- und Erfüllungsgeschäft sowie Besitz und Eigentum unterscheiden
- Arten des Kaufvertrags nach Vertragspartnern und nach Inhalt zuordnen
- die Wirkung von AGB und Eigentumsvorbehalt einschätzen
Ein Kaufvertrag ist ein zweiseitiges Rechtsgeschäft. Er kommt durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen zustande: den Antrag und die Annahme.
Wer den Antrag stellt, ist egal. Es kann der Verkäufer (Angebot) oder der Käufer (Bestellung) sein. Entscheidend ist: Die zweite Erklärung muss inhaltlich genau zur ersten passen und rechtzeitig kommen.
- 1Anfrage
Kunde fragt an (unverbindlich)
- 2Angebot = Antrag
Lumen bietet verbindlich an
- 3Bestellung = Annahme
Kunde bestellt fristgerecht und ohne Änderung
- 4Kaufvertrag
ist zustande gekommen
- 1Bestellung = Antrag
ohne vorheriges Angebot oder nach freibleibendem Angebot oder Katalog
- 2Auftragsbestätigung = Annahme
oder sofortige Lieferung durch Lumen
- 3Kaufvertrag
ist zustande gekommen
Schweigen ist grundsätzlich keine Annahme. Wer auf ein Angebot nicht reagiert, hat nichts gekauft. Unbestellt zugesandte Ware muss ein Verbraucher weder bezahlen noch zurückschicken (§ 241a BGB).
- •der Kaufvertrag selbst
- •begründet nur Pflichten
- •Verkäufer: übergeben und Eigentum verschaffen
- •Käufer: zahlen und abnehmen
- •erfüllt die Pflichten
- •Ware: Einigung und Übergabe (§ 929 BGB)
- •Geld: Barzahlung oder Überweisung
- •danach sind die Pflichten erloschen
| Verkäufer (§ 433 Abs. 1) | Käufer (§ 433 Abs. 2) |
|---|---|
| Sache übergeben | Kaufpreis zahlen |
| Eigentum verschaffen | Sache abnehmen |
| Sache frei von Sach- und Rechtsmängeln liefern |
Besitz ist die tatsächliche Herrschaft über eine Sache. Du hältst sie in der Hand.
Eigentum ist die rechtliche Herrschaft. Du darfst mit der Sache machen, was du willst, also auch verkaufen oder verschenken (§ 903 BGB).
Beides kann auseinanderfallen: Wenn du eine Wohnung mietest, bist du Besitzer, der Vermieter bleibt Eigentümer.
-
- Oktober: Nordlicht nimmt das Angebot an. Kaufvertrag (Verpflichtungsgeschäft).
-
- Oktober: Die Leuchten kommen an. Nordlicht wird Besitzer. Wegen des vereinbarten Eigentumsvorbehalts bleibt Lumen Eigentümer.
-
- November: Nordlicht zahlt. Jetzt wird Nordlicht auch Eigentümer. Beide Pflichten sind erfüllt (Erfüllungsgeschäft).
- Kaufvertrag
- Bürgerlicher Kaufbeide privat (oder beide nicht als Kaufleute tätig), nur BGB
- Einseitiger Handelskaufnur eine Seite ist Kaufmann, BGB und HGB
- Verbrauchsgüterkauf (§ 474 BGB)Unternehmer verkauft bewegliche Sache an Verbraucher, besonderer Schutz
- Zweiseitiger Handelskaufbeide Kaufleute, z. B. Lumen an Möbelhaus, HGB mit Rügepflicht § 377 HGB
| Kaufart | Was ist besonders? | Beispiel Lumen |
|---|---|---|
| Kauf auf Probe (§ 454 BGB) | Kunde darf die Ware testen und innerhalb einer Frist zurückgeben. Der Vertrag wird erst mit seiner Billigung wirksam. | Architekturbüro testet 2 Aurora-Leuchten 14 Tage im Showroom |
| Kauf nach Probe (nach Muster) | Die gelieferte Ware muss dem vorher gezeigten Muster entsprechen. | Nordlicht bestellt 200 Nova nach einem Musterstück |
| Kauf zur Probe | Fester Kauf einer kleinen Menge, um die Ware kennenzulernen. Größere Bestellungen sind in Aussicht gestellt. | neuer Händler kauft erst 10 Luna |
| Spezifikationskauf (Bestimmungskauf, § 375 HGB) | Art und Menge stehen fest. Form, Maß oder Farbe bestimmt der Käufer später. | 500 Luna, Farben werden bis 1. März festgelegt |
| Fixkauf (§ 376 HGB, § 323 Abs. 2 BGB) | Liefertermin ist genau bestimmt und wesentlich („fix“). Bei Überschreitung Rücktritt ohne Nachfrist. | Lieferung „am 28.11. fix“ für die Eröffnung eines Hotels |
| Terminkauf | Lieferung zu einem späteren Termin oder innerhalb einer Frist, aber nicht fix. | Lieferung „in der 46. KW“ |
auf Probe = auf Zeit testen, Rückgabe möglich. nach Probe = nach dem Muster liefern. zur Probe = zur Erprobung kleine Menge fest kaufen.
Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) sind vorformulierte Vertragsbedingungen für viele Verträge, das „Kleingedruckte“ (§ 305 BGB). Sie sparen Zeit, weil Lumen nicht jeden Vertrag neu aushandeln muss.
Die wichtigsten Regeln:
- Einbeziehung (§ 305 Abs. 2 BGB): Gegenüber Verbrauchern nur bei ausdrücklichem Hinweis, zumutbarer Möglichkeit der Kenntnisnahme und Einverständnis.
- Vorrang der Individualabrede (§ 305b BGB): Was im Einzelfall ausgehandelt wurde, geht den AGB vor.
- Überraschende Klauseln (§ 305c BGB) werden nicht Vertragsbestandteil.
- Inhaltskontrolle (§§ 307 bis 309 BGB): Klauseln, die den Kunden unangemessen benachteiligen, sind unwirksam.
- Rechtsfolge (§ 306 BGB): Der Vertrag bleibt im Übrigen wirksam. Statt der unwirksamen Klausel gilt das Gesetz.
In den AGB von Lumen steht „Lieferzeit 6 Wochen“. Der Vertriebsmitarbeiter sagt dem Kunden schriftlich „Lieferung in 3 Wochen“ zu. Es gelten 3 Wochen, denn die Individualabrede hat Vorrang (§ 305b BGB). Viele kreuzen hier die AGB an.
Mit dem Eigentumsvorbehalt (§ 449 BGB) bleibt der Verkäufer Eigentümer, bis der Kaufpreis vollständig bezahlt ist. Er muss vertraglich vereinbart werden, meist in den AGB.
- Einfacher Eigentumsvorbehalt: Lumen bleibt Eigentümer bis zur Zahlung. Zahlt der Kunde nicht, kann Lumen nach Rücktritt die Ware zurückverlangen.
- Verlängerter Eigentumsvorbehalt: Verkauft der Händler die Ware weiter, tritt er seine Forderung gegen den Endkunden schon im Voraus an Lumen ab. Bei Verarbeitung erwirbt Lumen Eigentum an der neuen Sache.
- Erweiterter Eigentumsvorbehalt: Das Eigentum geht erst über, wenn alle Forderungen aus der Geschäftsverbindung bezahlt sind.
Grenzen: Der einfache Eigentumsvorbehalt erlischt, wenn die Ware an einen gutgläubigen Dritten verkauft, verbraucht, verarbeitet oder fest mit einem Grundstück verbunden wird.
Lieber schauen als lesen?
Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.
Fachbegriffe auf Englisch
In der Prüfung können englische Fachbegriffe vorkommen.
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Ordne die Pflicht der richtigen Vertragspartei nach § 433 BGB zu.
Besitz und Eigentum
Ordne die Situation der Kaufart zu.
Lumen verkauft 200 Stehleuchten an das Möbelhaus Nordlicht GmbH. Um welche Art von Kaufvertrag handelt es sich?
Lumen verkauft im Werksverkauf eine Tischleuchte Nova an die Studentin Mia, die sie für ihre Wohnung nutzt.
Welche Aussagen sind richtig? (Mehrere Antworten möglich)
Mehrere Antworten sind richtig (2).
In den AGB von Lumen steht: „Zahlung innerhalb von 14 Tagen netto.“ Mit dem Wohnwerk Einrichtungen hat die Vertriebsleiterin per E-Mail ein Zahlungsziel von 30 Tagen vereinbart.
Welches Zahlungsziel gilt?
Bringe die Schritte in die richtige Reihenfolge: Ein Kunde bestellt aus dem Katalog, Lumen liefert unter Eigentumsvorbehalt.
Mit den Pfeilen in die richtige Reihenfolge bringen.
- 1.Kunde zahlt den Kaufpreis vollständig
- 2.Lumen liefert, der Kunde wird Besitzer
- 3.Kunde bestellt aus dem Katalog (Antrag)
- 4.Kunde wird Eigentümer
- 5.Lumen schickt eine Auftragsbestätigung (Annahme)
Lumen hat 50 Aurora-Leuchten unter einfachem Eigentumsvorbehalt an den Händler Licht & Raum geliefert. Der Händler hat noch nicht gezahlt, aber 20 Leuchten bereits an gutgläubige Endkunden verkauft. Jetzt ist er zahlungsunfähig.
Welche Aussagen treffen zu? (Mehrere Antworten möglich)
Mehrere Antworten sind richtig (3).
Ein neuer Großkunde möchte Lumen-Leuchten in seine Filialen aufnehmen. Er ist unsicher, ob sie sich verkaufen, und möchte kein Risiko eingehen.
Schlage zwei passende Kaufarten vor und begründe, welche Vor- und Nachteile sie für Lumen haben.
Karteikarten
Mit Wiederholungsplan lernen: Karteikarten-Trainer