Liefer- und Zahlungsbedingungen, Incoterms
In 30 Sekunden
Der Erfüllungsort entscheidet, wo der Verkäufer liefern und der Käufer zahlen muss und wann die Gefahr auf den Käufer übergeht. Versandklauseln wie „ab Werk“ oder „frei Haus“ regeln, wer die Transportkosten trägt. Im Auslandsgeschäft regeln die Incoterms 2020 Kosten- und Gefahrenübergang, die Zahlungsbedingungen regeln, wann und wie gezahlt wird.
- gesetzlichen Erfüllungsort für Waren- und Geldschulden bestimmen
- Gefahrübergang beim Versendungskauf und beim Verbrauchsgüterkauf erklären
- Versandkosten nach Klauseln wie „unfrei“, „frachtfrei“ und „frei Haus“ aufteilen
- Incoterms 2020 mit Kosten- und Gefahrenübergang anwenden
- Zahlungsbedingungen vergleichen und Skonto bewerten
Der Erfüllungsort (Leistungsort) ist der Ort, an dem der Schuldner seine Leistung erbringen muss. Ist nichts vereinbart, gilt das Gesetz: Es ist der Wohnsitz oder die Niederlassung des Schuldners (§ 269 BGB).
Daraus folgt:
- Warenschulden sind Holschulden. Schuldner der Ware ist der Verkäufer. Der Käufer muss die Ware beim Verkäufer abholen.
- Geldschulden sind qualifizierte Schickschulden (§ 270 BGB). Schuldner des Geldes ist der Käufer. Er muss das Geld auf seine Kosten und Gefahr an den Verkäufer übermitteln.
- •Erfüllungsort: Sitz des Verkäufers
- •Käufer holt ab und trägt die Transportkosten (§ 448 BGB)
- •Gefahr geht mit Übergabe an den Käufer über (§ 446 BGB)
- •Versendungskauf: Gefahr schon mit Übergabe an das Transportunternehmen (§ 447 BGB)
- •Erfüllungsort: Sitz des Käufers
- •Käufer muss das Geld schicken (§ 270 BGB)
- •Käufer trägt Kosten und Verlustgefahr der Übermittlung
- •unter Unternehmen: Geld muss rechtzeitig beim Gläubiger eingehen
Lumen schickt auf Wunsch des Möbelhauses Nordlicht 50 Pendelleuchten Luna per Spedition nach Hamburg. Unterwegs kippt der Lkw um, ohne dass Lumen etwas dafür kann.
Es ist ein Versendungskauf zwischen zwei Unternehmen. Die Gefahr ging mit der Übergabe an die Spedition auf Nordlicht über (§ 447 BGB). Nordlicht muss den Kaufpreis trotzdem zahlen und sich an die Spedition oder die Versicherung halten.
Wäre der Käufer ein Verbraucher, trüge Lumen das Risiko bis zur Übergabe an den Kunden (§ 475 Abs. 2 BGB).
Der Erfüllungsort für die Ware liegt beim Verkäufer, der Erfüllungsort für das Geld beim Käufer. Viele verwechseln das, weil das Geld ja beim Verkäufer ankommen soll. Merke: Erfüllungsort ist immer der Sitz des Schuldners der jeweiligen Leistung.
| Klausel | Verkäufer trägt | Käufer trägt |
|---|---|---|
| ab Werk, ab Lager | nichts | alle Transportkosten |
| unfrei, ab hier, ab Versandbahnhof | Anfuhr bis zum Versandort (Hausfracht hier) | Hauptfracht und Abfuhr am Empfangsort |
| frachtfrei, frei Empfangsbahnhof, frei dort | Anfuhr und Hauptfracht | Abfuhr am Empfangsort (Hausfracht dort) |
| frei Haus, frei Lager | alle Transportkosten | nichts |
Ohne Vereinbarung trägt der Verkäufer nur die Kosten der Übergabe (z. B. Messen, Wiegen, Verpacken für die Übergabe). Die Kosten der Abnahme und Versendung an einen anderen Ort trägt der Käufer (§ 448 BGB). Das entspricht „ab Werk“.
Im Auslandsgeschäft gelten oft die Incoterms 2020 (International Commercial Terms) der Internationalen Handelskammer. Sie gelten nur, wenn sie vereinbart werden, z. B. „FCA Kassel Incoterms 2020“.
Sie regeln drei Dinge: Wer trägt welche Kosten? Wann geht die Gefahr über? Wer erledigt die Zollformalitäten? Sie regeln nicht den Eigentumsübergang und nicht den Preis.
Es gibt elf Klauseln. Sieben passen für jede Transportart, vier nur für den See- und Binnenschiffstransport.
| Klausel | Bedeutung | Gefahr geht über | Verkäufer trägt Kosten bis |
|---|---|---|---|
| EXW | Ex Works, ab Werk | Bereitstellung beim Verkäufer, unverladen | Bereitstellung beim Verkäufer |
| FCA | Free Carrier, frei Frachtführer | Übergabe an den Frachtführer des Käufers am benannten Ort | Übergabe an den Frachtführer |
| CPT | Carriage Paid To, frachtfrei | Übergabe an den ersten Frachtführer | benannter Bestimmungsort (Fracht) |
| CIP | Carriage and Insurance Paid To | Übergabe an den ersten Frachtführer | Bestimmungsort, plus Versicherung (hohe Deckung) |
| DAP | Delivered at Place | Ankunft am Bestimmungsort, entladebereit | Bestimmungsort, ohne Entladen |
| DPU | Delivered at Place Unloaded | am Bestimmungsort entladen | Bestimmungsort, inklusive Entladen |
| DDP | Delivered Duty Paid | Ankunft am Bestimmungsort, entladebereit | Bestimmungsort, inklusive Einfuhrabgaben |
| FAS | Free Alongside Ship (nur See) | Längsseite Schiff im Verschiffungshafen | Längsseite Schiff im Verschiffungshafen |
| FOB | Free On Board (nur See) | an Bord im Verschiffungshafen | an Bord im Verschiffungshafen |
| CFR | Cost and Freight (nur See) | an Bord im Verschiffungshafen | Bestimmungshafen (Fracht) |
| CIF | Cost, Insurance and Freight (nur See) | an Bord im Verschiffungshafen | Bestimmungshafen, plus Versicherung (Mindestdeckung) |
Bei den C-Klauseln (CPT, CIP, CFR, CIF) fallen Kosten- und Gefahrenübergang auseinander. Der Verkäufer bezahlt die Fracht bis zum Bestimmungsort, die Gefahr geht aber schon bei Übergabe an den ersten Frachtführer oder an Bord des Schiffs auf den Käufer über. Man nennt sie deshalb Zweipunktklauseln. Bei allen anderen Klauseln gehen Kosten und Gefahr am selben Punkt über.
Die Gruppen ordnen die Pflichten des Verkäufers von wenig nach viel: E wie Ex (der Käufer holt), F wie Free (der Verkäufer übergibt an den Frachtführer, Haupttransport zahlt der Käufer), C wie Cost (der Verkäufer zahlt die Fracht, aber trägt nicht die Gefahr), D wie Delivered (der Verkäufer liefert bis ans Ziel). Ausfuhrfreimachung macht bei allen Klauseln außer EXW der Verkäufer, Einfuhrfreimachung nur bei DDP.
| Bedingung | So funktioniert es | Wer trägt das Risiko? |
|---|---|---|
| Vorkasse (Vorauszahlung) | Käufer zahlt vor der Lieferung | Käufer (Ware kommt evtl. nicht) |
| Anzahlung | Käufer zahlt einen Teil vorab, Rest später | geteilt |
| Nachnahme | Zusteller übergibt die Ware nur gegen Zahlung | gering für beide, Zug um Zug |
| Zahlungsziel | Zahlung erst nach Lieferung, z. B. 30 Tage netto. Lieferantenkredit | Verkäufer (Zahlungsausfall) |
| Skonto | Preisnachlass bei schneller Zahlung, z. B. 2 % innerhalb von 10 Tagen | Anreiz zur schnellen Zahlung |
| Dokumentenakkreditiv | Bank des Käufers verspricht Zahlung, sobald der Verkäufer die vereinbarten Versanddokumente vorlegt | gering, typisch im Auslandsgeschäft |
Lumen schreibt auf die Rechnung: „Zahlbar innerhalb von 30 Tagen netto, bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen 2 % Skonto.“ Rechnungsbetrag 5.950,00 €.
- Skontobetrag: 5.950,00 € × 2 % = 119,00 €
- Der Kunde zahlt 20 Tage früher (30 − 10).
- Überschlag Jahreszins: 2 % × 360 / 20 = 36 %
Kein Bankkredit ist so teuer. Für den Kunden lohnt es sich also fast immer, Skonto zu ziehen, notfalls mit dem Kontokorrentkredit. Für Lumen ist Skonto teuer, bringt aber schnelle Liquidität und weniger Ausfallrisiko.
Skonto oder Zahlungsziel?
Lohnt es sich, einen Kredit aufzunehmen, um Skonto zu ziehen? Gerechnet wird mit 360 Zinstagen (kaufmännisch).
Lieber schauen als lesen?
Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.
Fachbegriffe auf Englisch
In der Prüfung können englische Fachbegriffe vorkommen.
Jetzt du
Starte mit den leichten Aufgaben. Falsche Antworten landen automatisch in deiner Wiederholungsliste.
Wo ist der gesetzliche Erfüllungsort für die Lieferung der Ware?
Lumen liefert per Bahn an einen Händler in München. Kosten: Anfuhr zum Versandbahnhof Kassel 40,00 €, Bahnfracht 210,00 €, Abfuhr vom Empfangsbahnhof München 35,00 €. Vereinbart ist „frachtfrei“.
Wie viel Euro der Transportkosten trägt Lumen?
Ordne die Incoterms-Klausel dem Gefahrenübergang zu.
Lumen verkauft 400 Leuchten an einen Händler in Toronto. Vereinbart ist „CIF Toronto Incoterms 2020“, Verschiffung ab Hamburg. Auf hoher See geht ein Teil der Ladung verloren.
Welche Aussagen sind richtig? (Mehrere Antworten möglich)
Mehrere Antworten sind richtig (3).
Incoterms 2020
Rechnungsbetrag 5.950,00 €, Zahlungsbedingung: 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen. Wie viel Euro spart der Kunde, wenn er Skonto zieht?
Zahlungsbedingung: „Zahlbar innerhalb von 30 Tagen netto oder innerhalb von 10 Tagen mit 2 % Skonto.“ Berechne den effektiven Jahreszinssatz des Lieferantenkredits mit der Näherungsformel (Jahr = 360 Tage).
Lumen soll erstmals an einen unbekannten Großhändler in Dubai liefern, Auftragswert 180.000 €. Der Vertriebsleiter möchte das Zahlungsausfallrisiko gering halten, der Kunde lehnt Vorkasse ab.
Welche Zahlungsbedingung empfiehlst du?
Lumen verkauft eine Stehleuchte Aurora an die Privatkundin Frau Yilmaz und schickt sie auf ihren Wunsch per Paketdienst. Das Paket geht verloren. Vereinbart ist nichts Besonderes.
Wie ist die Rechtslage?
Ein Kunde aus Österreich fragt, ob Lumen „DAP Wien“ oder „FCA Kassel“ anbieten kann. Der Vertriebsleiter bittet dich um eine Entscheidungsvorlage.
Vergleiche die beiden Klauseln aus Sicht von Lumen (Kosten, Risiko, Wettbewerb, interne Abläufe).
Karteikarten
Mit Wiederholungsplan lernen: Karteikarten-Trainer