Wirtschaftspolitik, Konjunktur und Geld
In 30 Sekunden
Der Staat verfolgt nach dem Stabilitätsgesetz vier Ziele: stabile Preise, hohe Beschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und angemessenes Wachstum. Weil sich diese Ziele oft gegenseitig stören, spricht man vom magischen Viereck. In der Krise steuert der Staat mit Fiskalpolitik gegen, die Europäische Zentralbank mit Geldpolitik.
- Du nennst die Ziele des Stabilitätsgesetzes und die Erweiterung zum magischen Sechseck und erkennst Zielkonflikte.
- Du unterscheidest nominales und reales BIP und berechnest Wachstums-, Inflations- und Arbeitslosenquoten.
- Du beschreibst die Konjunkturphasen und ordnest Indikatoren zu.
- Du erklärst antizyklische Fiskalpolitik und die Geldpolitik der EZB.
Deutschland hat eine soziale Marktwirtschaft. Grundsätzlich regeln Angebot und Nachfrage die Wirtschaft (Marktwirtschaft: Privateigentum, Vertragsfreiheit, Wettbewerb). Der Staat greift aber ein, um soziale Gerechtigkeit herzustellen und den Wettbewerb zu sichern: Sozialversicherung, Kündigungsschutz, Kartellamt, progressive Einkommensteuer, Bürgergeld bzw. Grundsicherung.
Das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (StabG, 1967) verpflichtet Bund und Länder in § 1 auf vier Ziele, gleichzeitig und „im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung“.
| Ziel | Gemessen an | gilt als erreicht etwa bei |
|---|---|---|
| Stabilität des Preisniveaus | Inflationsrate (Verbraucherpreisindex) | 2 % auf mittlere Sicht (Ziel der EZB seit 2021, vorher „unter, aber nahe 2 %“) |
| Hoher Beschäftigungsstand | Arbeitslosenquote | niedrige Quote, oft genannt: unter ca. 3 bis 4 % |
| Außenwirtschaftliches Gleichgewicht | Außenbeitrag / Leistungsbilanzsaldo | Exporte und Importe etwa ausgeglichen |
| Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum | Veränderung des realen BIP | ca. 2 bis 3 % ohne starke Schwankungen |
| Gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung (Sechseck) | z. B. Lohnquote, Gini-Koeffizient | politisch umstritten |
| Erhaltung einer lebenswerten Umwelt (Sechseck) | z. B. CO₂-Ausstoß | Klimaziele |
- •Die Förderung eines Ziels gefährdet ein anderes.
- •Hohe Beschäftigung ↔ Preisniveaustabilität: Mehr Beschäftigte, mehr Einkommen, mehr Nachfrage, Preise steigen.
- •Wachstum ↔ Umweltschutz: Mehr Produktion verbraucht mehr Ressourcen.
- •Die Förderung eines Ziels hilft auch einem anderen.
- •Wachstum ↔ hohe Beschäftigung: Mehr Produktion braucht mehr Arbeitskräfte.
- •Preisniveaustabilität ↔ außenwirtschaftliches Gleichgewicht (oft): stabile Preise stärken die Wettbewerbsfähigkeit.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr im Inland hergestellt werden (abzüglich Vorleistungen). Es ist das wichtigste Maß für die Wirtschaftsleistung.
- Nominales BIP: zu aktuellen Preisen. Es steigt auch, wenn nur die Preise steigen.
- Reales BIP: preisbereinigt. Es zeigt, ob wirklich mehr produziert wurde. Wirtschaftswachstum wird am realen BIP gemessen.
VPI = Verbraucherpreisindex (Basisjahr = 100), berechnet von Destatis.
- Kaufkraft von 100 € = 100 ÷ VPI × 100
- Arbeitslosenquote = Arbeitslose ÷ zivile Erwerbspersonen × 100 (zivile Erwerbspersonen = Erwerbstätige ohne Soldaten + Arbeitslose)
- Wachstumsrate = (reales BIP neu − reales BIP alt) ÷ reales BIP alt × 100
Der Verbraucherpreisindex steigt von 118,4 auf 121,2 Punkte.
- Inflationsrate: (121,2 − 118,4) ÷ 118,4 × 100 = 2,36 %
- Mia hat netto 900 € zur Verfügung. Steigen die Preise um 3 %, ist das Geld real nur noch 900 ÷ 1,03 = 873,79 € wert.
- Liegt der VPI bei 125, kann man für 100 € nur noch Waren kaufen, die im Basisjahr 80 € gekostet haben (Kaufkraft 80 %).
- •anhaltender Anstieg des Preisniveaus
- •Geld verliert Kaufkraft
- •Ursachen: zu viel Nachfrage (nachfrageinduziert), steigende Kosten wie Energie oder Löhne (angebots-/kosteninduziert), zu viel Geldmenge
- •Verlierer: Sparer, Bezieher fester Einkommen; Gewinner: Schuldner
- •anhaltender Rückgang des Preisniveaus
- •Konsumenten warten ab, weil es später billiger wird
- •Unternehmen investieren weniger, Gewinne sinken, Arbeitsplätze gehen verloren
- •Gefahr einer Abwärtsspirale
| Phase | Produktion/Nachfrage | Beschäftigung | Preise | Zinsen |
|---|---|---|---|---|
| Aufschwung (Expansion) | steigt | nimmt zu, Arbeitslosigkeit sinkt | steigen langsam | steigen leicht |
| Hochkonjunktur (Boom) | sehr hoch, Kapazitäten ausgelastet | Vollbeschäftigung, Fachkräftemangel | steigen stark | hoch |
| Abschwung (Rezession) | sinkt | Kurzarbeit, Entlassungen | steigen kaum noch | sinken |
| Tiefstand (Depression) | niedrig, Lager voll | hohe Arbeitslosigkeit | stagnieren oder sinken | niedrig |
Konjunkturindikatoren:
- Frühindikatoren (zeigen die Zukunft): Auftragseingänge, ifo-Geschäftsklimaindex, Baugenehmigungen, Konsumklima
- Präsenzindikatoren (zeigen die Gegenwart): Produktion, Kapazitätsauslastung, Einzelhandelsumsatz, BIP
- Spätindikatoren (reagieren verzögert): Arbeitslosenquote, Preisniveau, Steuereinnahmen
Als Rezession im technischen Sinn gilt, wenn das reale BIP zwei Quartale nacheinander schrumpft.
| im Abschwung/Tiefstand | in der Hochkonjunktur | |
|---|---|---|
| Ziel | Nachfrage ankurbeln | Nachfrage dämpfen |
| Staatsausgaben | erhöhen (Investitionen, Bauaufträge) | senken |
| Steuern | senken, Abschreibungen verbessern | erhöhen |
| Finanzierung | Kredite aufnehmen (Deficit Spending) | Schulden tilgen, Rücklage bilden |
Geldpolitik macht im Euroraum die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Sie ist unabhängig von Regierungen. Ihr vorrangiges Ziel ist Preisstabilität: eine Inflationsrate von 2 % auf mittlere Sicht (symmetrisch, also gleichermaßen gegen zu hohe und zu niedrige Inflation).
Ihr wichtigstes Instrument sind die Leitzinsen (Einlagefazilität, Hauptrefinanzierungssatz, Spitzenrefinanzierungssatz):
- Leitzinsen erhöhen → Kredite teurer, Sparen attraktiver → weniger Nachfrage → Inflation sinkt (restriktive Geldpolitik).
- Leitzinsen senken → Kredite billiger → mehr Investitionen und Konsum → Konjunktur wird angeregt (expansive Geldpolitik).
Lohnpolitik ist Sache der Tarifparteien. Bei der produktivitätsorientierten Lohnpolitik steigen die Löhne so stark wie die Arbeitsproduktivität, damit die Lohnstückkosten gleich bleiben und keine Preissteigerung entsteht.
- Nominal ≠ real. Steigt das nominale BIP um 4 % und die Preise um 3 %, ist die Wirtschaft real nur um etwa 1 % gewachsen.
- Antizyklisch heißt gegen den Zyklus: In der Krise gibt der Staat mehr aus, nicht weniger.
- Die Arbeitslosenquote ist ein Spätindikator, kein Frühindikator. Unternehmen entlassen erst, wenn die Krise schon da ist.
- Die EZB macht keine Fiskalpolitik. Steuern und Staatsausgaben sind Sache der Regierungen.
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Welche vier Ziele nennt § 1 des Stabilitätsgesetzes?
Mehrere Antworten sind richtig (4).
Liegt ein Zielkonflikt oder eine Zielharmonie vor?
Der Verbraucherpreisindex lag im Vorjahr bei 118,4 und liegt jetzt bei 121,2 Punkten. Wie hoch ist die Inflationsrate? (auf 2 Nachkommastellen runden)
In einem Monat gibt es 2,9 Mio. Arbeitslose und 46,4 Mio. zivile Erwerbspersonen. Wie hoch ist die Arbeitslosenquote? (auf 2 Nachkommastellen)
Mia bekommt nach der Ausbildung eine tarifliche Gehaltserhöhung von 5 %. Die Inflationsrate im gleichen Zeitraum beträgt 2,2 %.
Um wie viel Prozent steigt ihr Reallohn? Rechne mit der exakten Formel: Reallohnänderung = (1 + Nominallohnänderung) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. (auf 2 Nachkommastellen)
Der Verbraucherpreisindex (Basisjahr = 100) steht bei 125. Wie viel Euro ist ein 100-€-Schein im Vergleich zum Basisjahr noch wert (Kaufkraft)?
Ordne den Konjunkturindikator richtig zu.
Bei Lumen Leuchten sind die Lager voll, der Auftragseingang ist seit Monaten gering, die Fertigung arbeitet kurz. In der Region steigt die Arbeitslosigkeit, die Preise stagnieren.
In welcher Konjunkturphase befindet sich die Wirtschaft vermutlich?
Fiskal- und Geldpolitik: Stimmt das?
Die Wirtschaft im Euroraum ist im Boom. Die Inflationsrate liegt bei 4,5 %, Unternehmen finden kaum noch Fachkräfte.
Welche zwei Maßnahmen sind geeignet, die Konjunktur zu dämpfen?
Mehrere Antworten sind richtig (2).
Bring die Konjunkturphasen ab dem Tiefpunkt in die richtige Reihenfolge.
Mit den Pfeilen in die richtige Reihenfolge bringen.
- 1.Hochkonjunktur (Boom)
- 2.Abschwung (Rezession)
- 3.Tiefstand (Depression)
- 4.Aufschwung (Expansion)
Erkläre, wie eine Leitzinserhöhung der EZB über mehrere Schritte die Inflationsrate senken soll. Nenne auch eine mögliche Auswirkung auf Lumen Leuchten.
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