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Berufsausbildung, Jugend- und Arbeitsschutz

In 30 Sekunden

Deine Ausbildung ist im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt: Vertrag, Probezeit, Pflichten, Vergütung, Kündigung. Für Azubis unter 18 gilt zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz mit strengeren Grenzen bei Arbeitszeit, Pausen und Urlaub. Arbeitsschutz und Unfallversicherung schützen alle Beschäftigten.

Danach kannst du:
  • Du kennst Inhalte des Ausbildungsvertrags, Probezeit, Kündigungsregeln und Pflichten nach BBiG.
  • Du wendest die Regeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes zu Arbeitszeit, Pausen, Berufsschule und Urlaub an.
  • Du unterscheidest Arbeitsunfall, Wegeunfall und Berufskrankheit und kennst die Berufsgenossenschaft.
  • Du nennst die Instanzen der Arbeitsgerichtsbarkeit und Grundzüge des Mutterschutzes.

Im dualen System lernst du an zwei Orten: im Ausbildungsbetrieb (praktisch, Grundlage ist die Ausbildungsordnung) und in der Berufsschule (Theorie, Grundlage ist der Rahmenlehrplan). Die IHK ist die zuständige Stelle: Sie trägt deinen Vertrag ins Verzeichnis ein, berät, überwacht die Ausbildung und nimmt die Prüfungen ab.

Duales System
Ausbildungsbetrieb
  • •Rechtsgrundlage: BBiG und Ausbildungsordnung
  • •Ausbildungsplan regelt, was wann gelernt wird
  • •Finanziert durch den Betrieb
  • •Aufsicht: IHK
Berufsschule
  • •Rechtsgrundlage: Schulgesetze der Länder
  • •Rahmenlehrplan mit Lernfeldern
  • •Finanziert durch den Staat
  • •Aufsicht: Kultusministerium des Landes
ThemaRegelParagraf
VertragsniederschriftWesentlicher Inhalt muss unverzüglich nach Abschluss, spätestens vor Beginn, in Textform festgehalten werden (seit 1. August 2024 z. B. auch als PDF per E-Mail, Empfang wird dokumentiert): Art und Ziel, Beginn und Dauer, tägliche Ausbildungszeit, Probezeit, Vergütung, Urlaub, Kündigungsvoraussetzungen, Hinweis auf Tarifverträge u. a.§ 11
Nichtige VereinbarungenKeine Zahlung an den Betrieb für die Ausbildung, keine Vertragsstrafen, keine Bindung nach der Ausbildung (außer in den letzten 6 Monaten vereinbart)§ 12
Pflichten AzubiLernpflicht, Weisungen folgen, Berufsschule besuchen, Ordnung beachten, Geräte pfleglich behandeln, Stillschweigen über Betriebsgeheimnisse, Ausbildungsnachweis führen§ 13
Pflichten AusbildenderAusbilden, Ausbildungsmittel kostenlos stellen, für Berufsschule freistellen, nur Tätigkeiten zum Ausbildungszweck übertragen, Ausbildungsnachweis durchsehen§ 14
Freistellung, AnrechnungEin Berufsschultag pro Woche mit mehr als 5 Unterrichtsstunden à 45 Minuten zählt mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit§ 15
ZeugnisAnspruch auf ein Zeugnis am Ende (schriftlich, seit August 2024 mit Einwilligung auch elektronisch)§ 16
VergütungAngemessen, mindestens Mindestvergütung, steigt jedes Jahr; Zahlung spätestens am letzten Arbeitstag des Monats§§ 17, 18
Probezeitmindestens 1 Monat, höchstens 4 Monate§ 20
EndeMit Ablauf der Ausbildungszeit; bei früherer bestandener Prüfung mit Bekanntgabe des Ergebnisses§ 21
Kündigungsiehe unten§ 22
WeiterbeschäftigungArbeitet der Azubi nach der Ausbildung weiter, ohne dass etwas vereinbart wurde, entsteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis§ 24
Wichtige Paragrafen im BBiG
Kündigung des Ausbildungsverhältnisses (§ 22 BBiG)
  • Kündigung
    • in der Probezeitbeide Seiten jederzeit, ohne Frist und ohne Grund
    • nach der Probezeit
      • aus wichtigem Grundbeide Seiten fristlos, innerhalb von 2 Wochen nach Kenntnis
      • Azubi gibt Ausbildung auf oder wechselt den Berufnur Azubi, Frist 4 Wochen
      • ordentliche Kündigung durch den Betriebnicht möglich
    • Formimmer schriftlich, nach der Probezeit mit Angabe der Gründe
Merke

Mindestausbildungsvergütung (§ 17 BBiG), Stand 2026, für Ausbildungen, die 2026 beginnen: 1. Jahr 724 €, 2. Jahr 854 € (+18 %), 3. Jahr 977 € (+35 %), 4. Jahr 1.014 € (+40 %). Der Betrag wird jedes Jahr neu bekannt gegeben. Tarifverträge dürfen mehr, aber nicht weniger vorsehen. In der Prüfung werden aktuelle Werte vorgegeben.

Verkürzung und Verlängerung: Auf gemeinsamen Antrag kann die IHK die Ausbildungszeit verkürzen, wenn das Ziel in kürzerer Zeit erreicht wird (z. B. wegen Abitur, § 8 BBiG). Bei guten Leistungen ist eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung möglich (§ 45 BBiG). Wer die Abschlussprüfung nicht besteht, kann verlangen, dass die Ausbildung bis zur nächsten Wiederholungsprüfung verlängert wird, höchstens um ein Jahr (§ 21 Abs. 3 BBiG).

Bei den Industriekaufleuten gibt es eine gestreckte Abschlussprüfung: Teil 1 etwa zur Mitte der Ausbildung, Teil 2 am Ende. Beide Teile zählen zur Gesamtnote.

ThemaRegelParagraf JArbSchG
Arbeitszeithöchstens 8 Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich; 8,5 Stunden, wenn an anderen Tagen derselben Woche weniger gearbeitet wird§ 8
5-Tage-Wochehöchstens an 5 Tagen pro Woche§ 15
Pausenbei mehr als 4,5 bis 6 Stunden: 30 Minuten; bei mehr als 6 Stunden: 60 Minuten; Pause mind. 15 Minuten; spätestens nach 4,5 Stunden§ 11
Freizeitmindestens 12 Stunden ununterbrochen zwischen zwei Arbeitstagen§ 13
Nachtruhenur zwischen 6 und 20 Uhr beschäftigen (mit Ausnahmen)§ 14
Berufsschulekein Arbeiten vor einem Unterricht, der vor 9 Uhr beginnt; ein Berufsschultag mit mehr als 5 Unterrichtsstunden à 45 Min. pro Woche zählt mit der durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit (meist 8 Stunden); Blockwoche mit mind. 25 Stunden an 5 Tagen zählt mit der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit; sonst zählt die Unterrichtszeit einschließlich Pausen§ 9
Urlaubnoch nicht 16 Jahre zu Beginn des Kalenderjahres: 30 Werktage; noch nicht 17: 27 Werktage; noch nicht 18: 25 Werktage§ 19
Ärztliche UntersuchungErstuntersuchung vor Beginn (nicht älter als 14 Monate), Nachuntersuchung nach einem Jahr§§ 32, 33
Jugendarbeitsschutzgesetz (gilt für Personen unter 18 Jahren)
Prüfungsfalle

Urlaub nach JArbSchG: Es zählt das Alter zu Beginn des Kalenderjahres (1. Januar), nicht am Tag des Urlaubs oder zum Ausbildungsbeginn. Und es sind Werktage (Montag bis Samstag), keine Arbeitstage.

Pausen: Bei genau 6 Stunden Arbeitszeit reichen 30 Minuten. 60 Minuten erst bei mehr als 6 Stunden.

Beispiel: Urlaub für Jonas

Jonas beginnt am 1. August 2026 seine Ausbildung bei Lumen Leuchten. Er ist am 20. Dezember 2009 geboren.

  • Am 1. Januar 2026 ist Jonas 16 Jahre alt, also „noch nicht 17“.
  • Anspruch für 2026: 27 Werktage (anteilig für die Monate ab August).
  • Am 1. Januar 2027 ist er 17, also „noch nicht 18“: 25 Werktage.

Arbeitsschutz gilt für alle Beschäftigten. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet den Arbeitgeber zur Gefährdungsbeurteilung (§ 5 ArbSchG): Er muss prüfen, welche Gefahren an jedem Arbeitsplatz bestehen, und Maßnahmen treffen. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) regelt die Ausstattung: Beleuchtung, Raumtemperatur, Pausenräume, Bildschirmarbeitsplätze, Fluchtwege.

Die Berufsgenossenschaft (BG) ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für gewerbliche Betriebe. Sie erlässt Unfallverhütungsvorschriften, kontrolliert die Betriebe und zahlt bei Unfällen. Die Beiträge zahlt der Arbeitgeber allein.

FallBeispielversichert?
ArbeitsunfallMia stolpert im Lager von Lumen über einen Karton.ja
WegeunfallMia stürzt auf dem direkten Weg zur Berufsschule mit dem Rad.ja
Umweg zur Kita oder FahrgemeinschaftEin Kollege bringt auf dem Arbeitsweg sein Kind in die Kita.ja, gesetzlich ausdrücklich mitversichert
Privater UmwegMia fährt nach Feierabend erst ins Fitnessstudio und verunglückt dort.nein
BerufskrankheitLärmschwerhörigkeit nach Jahren in der Metallfertigungja
Was ist versichert?

Mutterschutz (MuSchG), kurz: Schutzfrist 6 Wochen vor der Entbindung (darauf kann die Frau verzichten) und 8 Wochen danach (12 Wochen bei Früh- oder Mehrlingsgeburten). Kündigungsverbot während der Schwangerschaft und bis 4 Monate nach der Entbindung (§ 17 MuSchG).

Arbeitsgerichte entscheiden Streit aus dem Arbeits- und Ausbildungsverhältnis. Vor einer Klage aus dem Ausbildungsverhältnis muss oft erst der Schlichtungsausschuss der IHK angerufen werden. Am Arbeitsgericht beginnt das Verfahren mit einer Güteverhandlung. In der ersten Instanz zahlt jede Seite ihren Anwalt selbst, egal wie das Verfahren ausgeht.

Instanzen der Arbeitsgerichtsbarkeit
  1. 1
    Arbeitsgericht
    1. Instanz, Güteverhandlung, kein Anwaltszwang
  2. 2
    Landesarbeitsgericht
    1. Instanz (Berufung)
  3. 3
    Bundesarbeitsgericht
    1. Instanz (Revision), Sitz in Erfurt
Eselsbrücke

Urlaub JArbSchG: 30 – 27 – 25. Denk an „15 – 16 – 17“: Je jünger, desto mehr Urlaub. Wer zu Jahresbeginn 15 ist, bekommt 30, mit 16 gibt es 27, mit 17 gibt es 25 Werktage.

Lieber schauen als lesen?

Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.

Jugendarbeitsschutzgesetz einfach erklärt | Arbeitszeit, Pausen & Urlaub für Azubis | JArbSchG
Berufskolleg Hückeswagen · auf YouTube öffnen

Fachbegriffe auf Englisch

In der Prüfung können englische Fachbegriffe vorkommen.

Auszubildende/rapprentice / trainee
Ausbildungsvertragapprenticeship contract
Probezeitprobationary period
Arbeitsschutzoccupational health and safety
Arbeitsunfalloccupational accident / workplace accident
Berufsschulevocational school

Jetzt du

Starte mit den leichten Aufgaben. Falsche Antworten landen automatisch in deiner Wiederholungsliste.

0 von 12 gelöst
Aufgabe 1Richtig/FalschEinstieg

Probezeit und Kündigung nach BBiG: Stimmt das?

Die Probezeit beträgt mindestens einen Monat und höchstens vier Monate.
In der Probezeit können beide Seiten jederzeit ohne Einhalten einer Frist kündigen.
Nach der Probezeit kann der Betrieb mit einer Frist von vier Wochen ordentlich kündigen.
Eine Kündigung per WhatsApp ist wirksam.
Aufgabe 2ZuordnenEinstieg

Wer hat diese Pflicht nach dem BBiG? Ordne zu.

Ausbildungsnachweis führen
Zum Besuch der Berufsschule anhalten und freistellen
Ausbildungsmittel kostenlos zur Verfügung stellen
Über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Stillschweigen wahren
Aufgabe 3AuswahlPrüfungsniveau
Situation

Im Ausbildungsvertrag eines neuen Azubis bei einem Kasseler Möbelhaus steht: „Bricht der Auszubildende die Ausbildung ab, zahlt er eine Vertragsstrafe von 1.000 €.“

Wie ist diese Klausel zu beurteilen?

Aufgabe 4AuswahlPrüfungsniveau
Situation

Mia ist im 3. Ausbildungsjahr bei Lumen Leuchten. Sie besteht Teil 2 der Abschlussprüfung am 12. Juni. Ihr Vertrag läuft eigentlich bis zum 31. Juli. Am 13. Juni arbeitet sie ganz normal weiter. Über eine Übernahme wurde nie gesprochen.

Welche Aussage trifft zu?

Aufgabe 5RechnenPrüfungsniveau

Ein Ausbildungsvertrag beginnt am 1. August 2026. Die Mindestvergütung im 1. Jahr beträgt 724 €. Im 3. Jahr steigt sie laut § 17 BBiG um 35 % gegenüber dem 1. Jahr. Wie hoch ist die Mindestvergütung im 3. Jahr? (auf ganze Euro gerundet)

€
Aufgabe 6ZuordnenPrüfungsniveau

Wie viele Werktage Urlaub stehen den Azubis 2026 mindestens zu? (Ausbildung läuft das ganze Jahr)

Sara, geboren am 2. Februar 2008
Mia, geboren am 14. Mai 2005
Lea, geboren am 5. März 2010
Tim, geboren am 28. Dezember 2009
Aufgabe 7AuswahlEinstieg

Eine 17-jährige Auszubildende arbeitet an einem Tag 7 Stunden. Wie lang müssen ihre Ruhepausen insgesamt mindestens sein?

Aufgabe 8RechnenKnifflig
Situation

Jonas (16) ist Azubi bei Lumen Leuchten. In einer Woche hat er montags Berufsschule mit 6 Unterrichtsstunden à 45 Minuten und donnerstags von 8:00 bis 11:15 Uhr (4 Unterrichtsstunden à 45 Minuten und 15 Minuten Pause). Die betriebliche Ausbildungszeit beträgt 8 Stunden täglich, 40 Stunden pro Woche.

Wie viele Stunden darf Jonas in dieser Woche höchstens noch im Betrieb beschäftigt werden?

Stunden
Aufgabe 9Richtig/FalschPrüfungsniveau

Unfallversicherung: Stimmt das?

Die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zahlt der Arbeitgeber allein.
Ein Unfall auf dem direkten Weg von der Wohnung zur Berufsschule ist versichert.
Ein Unfall beim privaten Einkaufen in der Mittagspause ist ein Arbeitsunfall.
Unfallverhütungsvorschriften werden von der Berufsgenossenschaft erlassen.
Aufgabe 10ReihenfolgeEinstieg

Bring die Arbeitsgerichte in die Reihenfolge des Instanzenwegs.

Mit den Pfeilen in die richtige Reihenfolge bringen.

  1. 1.Landesarbeitsgericht
  2. 2.Arbeitsgericht
  3. 3.Bundesarbeitsgericht
Aufgabe 11AuswahlKnifflig
Situation

Die Ausbilderin von Lumen Leuchten bittet Mia regelmäßig, morgens Brötchen für die Abteilung zu holen und den privaten Pkw des Geschäftsführers zu waschen. Außerdem soll Mia sich ihren Laptop für die Ausbildung selbst kaufen.

Welche zwei Aussagen sind richtig?

Mehrere Antworten sind richtig (2).

Aufgabe 12Freie AntwortPrüfungsniveau

Erkläre den Unterschied zwischen Arbeitsunfall und Wegeunfall und nenne je ein Beispiel aus deinem Ausbildungsalltag. Wer ist zuständig, und was muss der Betrieb bei einem Unfall mit mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit tun?

Karteikarten

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