Arbeitsvertrag und Arbeitsrecht
In 30 Sekunden
Der Arbeitsvertrag entsteht durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen und ist grundsätzlich formfrei. Die wesentlichen Bedingungen muss der Arbeitgeber aber nach dem Nachweisgesetz dokumentieren. Was im Vertrag stehen darf, begrenzen Gesetze (z. B. ArbZG, BUrlG, TzBfG), Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen.
- Zustandekommen, Form und Inhalte eines Arbeitsvertrags erklären
- Pflichten von Arbeitnehmer und Arbeitgeber nennen
- Probezeit, Befristung, Teilzeit und Minijob rechtlich einordnen
- Die Rangfolge der Rechtsquellen und das Günstigkeitsprinzip anwenden
- Arbeitszeit, Pausen, Ruhezeit und Urlaubsanspruch berechnen
Der Arbeitsvertrag ist ein besonderer Dienstvertrag (§ 611a BGB). Der Arbeitnehmer verpflichtet sich zu weisungsgebundener Arbeit, der Arbeitgeber zur Zahlung des vereinbarten Entgelts.
Er kommt wie jeder Vertrag durch Antrag und Annahme zustande. Ein Handschlag reicht rechtlich. Damit trotzdem jeder weiß, was gilt, verlangt das Nachweisgesetz (NachwG), dass der Arbeitgeber die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederlegt, unterzeichnet und aushändigt (seit 2025 unter Bedingungen auch in Textform, siehe unten).
› Nachweisgesetz: Was gilt seit 2025?
Seit dem 1. Januar 2025 (Bürokratieentlastungsgesetz IV) darf der Nachweis auch in Textform erfolgen, z. B. als PDF per E-Mail. Voraussetzungen: Der Arbeitnehmer kann das Dokument abrufen, speichern und ausdrucken, und der Arbeitgeber fordert eine Empfangsbestätigung an.
Ausnahmen: In Branchen nach § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (z. B. Bau, Gastronomie, Gebäudereinigung) bleibt es bei der Schriftform. Außerdem kann jeder Arbeitnehmer verlangen, die Bedingungen schriftlich (mit Unterschrift auf Papier) zu bekommen.
Inhalte nach § 2 NachwG sind u. a.: Namen und Anschriften, Beginn, ggf. Befristung, Arbeitsort, Tätigkeit, Probezeit, Entgelt mit Zuschlägen und Fälligkeit, Arbeitszeit und Pausen, Urlaub, Kündigungsverfahren mit Fristen, Hinweis auf Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen.
Wichtig: Eine Befristung braucht weiterhin echte Schriftform (§ 14 Abs. 4 TzBfG).
- •Arbeitspflicht: persönlich und sorgfältig arbeiten
- •Weisungen befolgen (Direktionsrecht des AG, § 106 GewO)
- •Treuepflicht: Verschwiegenheit über Betriebsgeheimnisse
- •Wettbewerbsverbot während des Arbeitsverhältnisses
- •Schadensabwendung, Krankmeldung unverzüglich
- •Vergütungspflicht (mind. Mindestlohn bzw. Tariflohn)
- •Beschäftigungspflicht
- •Fürsorgepflicht: Arbeitsschutz, Schutz der Gesundheit und Daten
- •Urlaub gewähren, Entgeltfortzahlung bei Krankheit (6 Wochen)
- •Gleichbehandlung, Zeugnis bei Beendigung
- Arbeitsrecht
- 1. EU-Recht, Grundgesetzz. B. Koalitionsfreiheit Art. 9 GG
- 2. Gesetze und VerordnungenBGB, ArbZG, BUrlG, KSchG, TzBfG, MiLoG
- 3. Tarifvertragzwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband
- 4. Betriebsvereinbarungzwischen Arbeitgeber und Betriebsrat
- 5. Arbeitsvertragzwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
- 6. WeisungDirektionsrecht des Arbeitgebers
Die untere Ebene darf die obere nicht verschlechtern. Günstigkeitsprinzip (§ 4 Abs. 3 TVG): Abweichungen sind erlaubt, wenn sie den Arbeitnehmer besser stellen. Beispiel: Gesetz 20 Urlaubstage, Tarifvertrag 30, Arbeitsvertrag 32: Es gelten 32 Tage.
| Thema | Regel | Fundstelle |
|---|---|---|
| Probezeit | höchstens 6 Monate, Kündigungsfrist 2 Wochen (ohne Termin) | § 622 Abs. 3 BGB |
| Befristung ohne Sachgrund | bis 2 Jahre, bis dahin höchstens 3 Verlängerungen; nicht, wenn vorher schon ein Arbeitsverhältnis mit demselben AG bestand | § 14 Abs. 2 TzBfG |
| Befristung mit Sachgrund | z. B. Vertretung (Elternzeit), Projekt, Erprobung, keine Höchstdauer | § 14 Abs. 1 TzBfG |
| Form der Befristung | Schriftform, sonst gilt der Vertrag als unbefristet | § 14 Abs. 4, § 16 TzBfG |
| Teilzeit | Anspruch auf Verringerung nach 6 Monaten Beschäftigung bei mehr als 15 AN | § 8 TzBfG |
| Minijob | Verdienst bis 603 € im Monat (Stand 2026); die Grenze ist an den Mindestlohn gekoppelt | § 8 SGB IV |
| Midijob (Übergangsbereich) | 603,01 € bis 2.000 € im Monat (Stand 2026), reduzierter AN-Anteil zur SV | § 20 SGB IV |
| Regel | Inhalt |
|---|---|
| Höchstarbeitszeit § 3 ArbZG | werktäglich 8 Stunden, bis 10 Stunden, wenn im Schnitt von 6 Monaten oder 24 Wochen 8 Stunden nicht überschritten werden. Werktage = Montag bis Samstag, also max. 48 h pro Woche im Schnitt |
| Pausen § 4 ArbZG | mehr als 6 bis 9 h: mind. 30 min; mehr als 9 h: mind. 45 min; Abschnitte von mind. 15 min; nie länger als 6 h am Stück ohne Pause |
| Ruhezeit § 5 ArbZG | mind. 11 Stunden ununterbrochen zwischen zwei Arbeitstagen |
| Mindesturlaub § 3 BUrlG | 24 Werktage (6-Tage-Woche) = 20 Arbeitstage bei einer 5-Tage-Woche |
| Wartezeit § 4 BUrlG | voller Urlaubsanspruch erst nach 6 Monaten |
| Teilurlaub § 5 BUrlG | 1/12 des Jahresurlaubs je vollem Monat, z. B. bei Eintritt in der zweiten Jahreshälfte; halbe Tage und mehr werden aufgerundet |
Bei 4 Arbeitstagen pro Woche: 24 ÷ 6 × 4 = 16 Tage gesetzlicher Mindesturlaub.
Monteur Jonas arbeitet am Dienstag von 6:00 bis 16:00 Uhr mit 45 Minuten Pause. Das sind 9 Stunden 15 Minuten Arbeitszeit: erlaubt (unter 10 h), und weil es mehr als 9 h sind, braucht er auch genau die 45 Minuten Pause.
Am Mittwoch soll er wieder um 6:00 Uhr anfangen. Zwischen 16:00 und 6:00 liegen 14 Stunden. Die Ruhezeit von 11 Stunden ist eingehalten.
Werktage sind nicht Arbeitstage. Das BUrlG rechnet mit Werktagen (Montag bis Samstag). Die 24 Werktage sind daher bei einer 5-Tage-Woche nur 20 Urlaubstage. Und: Die Probezeit (höchstens 6 Monate, vertraglich vereinbart) ist nicht dasselbe wie die Wartezeit von 6 Monaten im Kündigungsschutzgesetz (gilt automatisch).
Lieber schauen als lesen?
Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.
Fachbegriffe auf Englisch
In der Prüfung können englische Fachbegriffe vorkommen.
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Welche Aussage zur Form des Arbeitsvertrags ist richtig?
Eine Teilzeitkraft bei Lumen arbeitet an 4 Tagen pro Woche. Wie viele Arbeitstage beträgt ihr gesetzlicher Mindesturlaub nach § 3 BUrlG?
Ordne die Pflicht der richtigen Vertragspartei zu.
Das Gesetz sieht 20 Urlaubstage vor (5-Tage-Woche). Der für Lumen geltende Tarifvertrag gewährt 30 Tage. Im Arbeitsvertrag von Frau Kessler stehen 32 Tage.
Wie viele Urlaubstage hat Frau Kessler?
Richtig oder falsch?
Ein Minijobber im Lumen-Lager erhält den gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 € pro Stunde (Stand 2026). Die Minijob-Grenze beträgt 603 € im Monat. Wie viele volle Stunden darf er im Monat höchstens arbeiten, ohne die Grenze zu überschreiten?
Eine Mitarbeiterin im Versand beendet ihre Spätschicht um 22:30 Uhr.
Um wie viel Uhr darf sie am nächsten Tag frühestens wieder anfangen? Gib die Uhrzeit als Dezimalzahl an (z. B. 9,5 für 9:30 Uhr).
Herr Peters beginnt am 1. August 2026 als Konstrukteur bei Lumen (5-Tage-Woche). Laut Arbeitsvertrag hat er 30 Urlaubstage im Jahr. Für das Jahr 2026 hat er die Wartezeit von 6 Monaten nicht mehr erfüllt, er bekommt deshalb Teilurlaub nach § 5 BUrlG. Bruchteile von mindestens einem halben Tag werden auf volle Tage aufgerundet.
Wie viele Urlaubstage stehen ihm für 2026 zu?
Lumen stellt Frau Wagner sachgrundlos befristet vom 1. März 2025 bis 31. August 2025 ein. Der Vertrag wird zweimal verlängert, zuletzt bis 30. September 2026. Jetzt möchte Lumen ihn noch einmal sachgrundlos verlängern.
Bis zu welchem Datum ist eine letzte sachgrundlose Verlängerung höchstens möglich?
Lumen möchte eine Elternzeitvertretung für die Buchhaltung einstellen. Die Personalabteilung fragt dich, wie der Vertrag gestaltet werden sollte.
Erläutere, welche Art der Befristung sich anbietet, welche Form einzuhalten ist und was passiert, wenn die Form fehlt.
Karteikarten
Mit Wiederholungsplan lernen: Karteikarten-Trainer