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Distributionspolitik und Marketing-Mix

In 30 Sekunden

Die Distributionspolitik klärt, wie das Produkt zum Kunden kommt: direkt (eigener Shop, eigener Außendienst) oder indirekt über den Handel. Rechtlich selbstständige Helfer sind Handelsvertreter, Kommissionär und Makler. Ob ein angestellter Reisender oder ein Handelsvertreter günstiger ist, zeigt der kritische Umsatz. Zum Schluss fügen sich Produkt, Preis, Kommunikation und Distribution zum Marketing-Mix zusammen.

Danach kannst du:
  • Direkten und indirekten Absatz unterscheiden und Beispiele nennen
  • Absatzmittler und Absatzhelfer abgrenzen
  • Handelsvertreter, Kommissionär und Makler nach HGB unterscheiden
  • Den kritischen Umsatz zwischen Reisendem und Handelsvertreter berechnen und die Entscheidung begründen
  • Multi-Channel-Vertrieb und das Zusammenspiel im Marketing-Mix erklären
Direkter und indirekter AbsatzHerstellerKundeDirekter Absatzeigener Onlineshop, Werksverkauf,Reisende, Handelsvertreter*Indirekter AbsatzOnlineplattformGroßhandelEinzelhandelAbsatzmittler (Handel, Plattformen mit Eigenhandel) kaufen die Ware und verkaufen sie weiter.* Absatzhelfer wie Handelsvertreter vermitteln nur, der Vertrag kommt mit dem Hersteller zustande.
Direkter und indirekter Absatzweg
Direkt oder indirekt?
Direkter Absatz
  • •Hersteller verkauft ohne Zwischenhändler an den Endkunden
  • •eigener Onlineshop, Werksverkauf, eigener Außendienst (Reisende)
  • •Vorteil: volle Kontrolle über Preis und Beratung, keine Handelsspanne
  • •Nachteil: eigene Kosten für Lager, Versand, Personal
Indirekter Absatz
  • •Zwischen Hersteller und Endkunde steht der Handel
  • •Großhandel, Einzelhandel (Möbelhaus), Onlinehändler
  • •Vorteil: große Reichweite, Handel trägt Lager- und Verkaufskosten
  • •Nachteil: Handelsspanne geht verloren, weniger Einfluss auf Preis und Präsentation
Wer hilft beim Absatz?
  • Absatzorgane
    • unternehmenseigen
      • Geschäftsleitung, Verkaufsabteilung
      • Reisenderangestellt, weisungsgebunden
      • Onlineshop, Werksverkauf
    • Absatzmittlerkaufen die Ware (Eigentum geht über)
      • Großhandel
      • Einzelhandel
      • Onlinehändler, Plattform als Händler
    • Absatzhelferrechtlich selbstständig, werden nicht Eigentümer der Ware
      • Handelsvertreter (§ 84 HGB)
      • Kommissionär (§ 383 HGB)
      • Handelsmakler (§ 93 HGB)
ReisenderHandelsvertreterKommissionärHandelsmakler
RechtsstellungAngestellterselbstständiger Kaufmannselbstständiger Kaufmannselbstständiger Kaufmann
BindungArbeitsvertragständig betrautKommissionsvertrag, oft dauerhaftvon Fall zu Fall, nicht ständig betraut
handelt in wessen Namen?im Namen des Arbeitgebersim fremden Namenim eigenen Namenvermittelt nur
für wessen Rechnung?für fremde Rechnungfür fremde Rechnungfür fremde Rechnungvermittelt nur
VergütungFixum + meist ProvisionProvision (§ 87 HGB)ProvisionMaklerlohn (Courtage), im Zweifel von beiden Parteien je zur Hälfte (§ 99 HGB)
Beispielangestellter Außendienst von LumenVertreter, der Lumen bei Möbelhäusern in Bayern vertrittDesignladen verkauft Lumen-Leuchten in eigenem Namen, unverkaufte gehen zurückVermittler bringt Lumen einmalig mit einer Hotelkette zusammen
Absatzhelfer und Reisender im Vergleich
Merke

Kommissionär = eigener Name, fremde Rechnung. Der Kunde schließt den Vertrag mit dem Kommissionär, das Geld und das Risiko gehören aber dem Auftraggeber (Kommittent). Der Handelsvertreter handelt dagegen im fremden Namen: Der Vertrag kommt direkt zwischen Lumen und dem Kunden zustande.

Kritischer Umsatz (Reisender vs. Handelsvertreter)
kritischer Umsatz = (Fixkosten Reisender − Fixkosten Vertreter) ÷ (Provisionssatz Vertreter − Provisionssatz Reisender)

Beim kritischen Umsatz kosten beide gleich viel. Darunter ist der Handelsvertreter günstiger, darüber der Reisende. Fixkosten des Reisenden: Gehalt (Fixum), Spesen, Kfz usw. Provisionssätze als Dezimalzahl einsetzen (8 % = 0,08).

Beispiel: Reisender oder Handelsvertreter für Norddeutschland?

Ein Reisender kostet Lumen 3.000 € Fixum im Monat plus 2 % Provision. Ein Handelsvertreter verlangt 8 % Provision.

kritischer Umsatz = 3.000 ÷ (0,08 − 0,02) = 50.000 € pro Monat

Lumen erwartet 70.000 € Umsatz pro Monat:

  • Reisender: 3.000 + 0,02 × 70.000 = 4.400 €
  • Vertreter: 0,08 × 70.000 = 5.600 €

Der erwartete Umsatz liegt über dem kritischen Umsatz. Der Reisende ist rein rechnerisch um 1.200 € pro Monat günstiger.

Reisender oder Handelsvertreter?

Reisende sind Angestellte (Fixum + kleine Provision). Handelsvertreter sind selbstständig (meist nur Provision).

Kosten Reisender4.500,00 €
Kosten Handelsvertreter4.000,00 €
=Kritischer Umsatz (Kosten gleich hoch)58.333,33 €
Günstiger bei diesem UmsatzHandelsvertreter

Faustregel: Unter dem kritischen Umsatz ist der Handelsvertreter günstiger, darüber der Reisende (weil die hohe Provision dann teurer wird als das Fixum).

Nicht nur rechnen: qualitative Argumente
Für den Reisenden
  • •weisungsgebunden, kann gezielt gesteuert werden
  • •verkauft nur Lumen-Produkte
  • •kann für Zusatzaufgaben eingesetzt werden (Messen, Reklamationen, Marktbeobachtung)
  • •Kundenkontakte bleiben im Unternehmen
Für den Handelsvertreter
  • •überwiegend variable Kosten, kein Fixkostenrisiko bei schwachem Umsatz
  • •kennt den regionalen Markt, hat oft schon Kundenkontakte
  • •verkauft ergänzende Produkte anderer Hersteller (Sortimentsvorteil beim Kunden)
  • •Achtung: Ausgleichsanspruch bei Vertragsende möglich (§ 89b HGB)
Prüfungsfalle

Viele verwechseln die Richtung: Liegt der erwartete Umsatz über dem kritischen Umsatz, ist der Reisende günstiger, weil sein niedriger Provisionssatz dann stärker ins Gewicht fällt als sein Fixum. Prüfe das Ergebnis immer, indem du die Kosten beider beim erwarteten Umsatz ausrechnest.

E-Commerce und Logistik: Wer online direkt verkauft, braucht Lager, Verpackung, Versand und Retourenmanagement. Lumen kann das selbst machen oder an einen Fulfillment-Dienstleister auslagern. Auf Onlineplattformen (Marktplätzen) erreicht man viele Kunden, zahlt aber Gebühren und steht im direkten Preisvergleich.

Multi-Channel: Lumen nutzt mehrere Absatzwege parallel: Möbelhäuser, Onlinehändler, eigener Shop, Außendienst für Architekturbüros. Sind die Kanäle eng verknüpft (online bestellen, im Showroom abholen, gleiche Preise und Kundendaten), spricht man von Omni-Channel. Wichtig ist, dass sich die Kanäle nicht gegenseitig mit Preisen unterbieten (Kanalkonflikt).

Marketing-Mix: die vier InstrumenteProduktpolitikWas bieten wir an?Design, Qualität, Marke, ServicePreispolitikZu welchem Preis?Preisstrategie, Rabatte, SkontoKommunikationspolitikWie erfahren Kunden davon?Werbung, Social Media, PRDistributionspolitikWie kommt es zum Kunden?Onlineshop, Handel, VertreterZiel-gruppe
Die 4 P des Marketing-Mix: Product, Price, Promotion, Place
Beispiel: Ein stimmiger Marketing-Mix für „Lumi Connect“
  • Product: smarte Stehleuchte, App-Steuerung, 5 Jahre Garantie
  • Price: Skimming, Start bei 399 €
  • Promotion: Influencer aus der Tech- und Interior-Szene, Content zu Lichtstimmungen
  • Place: eigener Onlineshop und ausgewählte Fachhändler, keine Discounter

Alle Instrumente passen zueinander: Ein Premiumprodukt mit hohem Preis gehört nicht in den Discounter und nicht in einen Werbeprospekt mit Billigangeboten.

Lieber schauen als lesen?

Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.

Direkter und indirekter Absatz (Distributionspolitik) - einfach erklärt!
hanzKurz erklärt · auf YouTube öffnen
Marketing Folge 19 - Vergleich Handlungsreisender und Handelsvertreter
Videokurs Lehmkuhl · auf YouTube öffnen

Fachbegriffe auf Englisch

In der Prüfung können englische Fachbegriffe vorkommen.

Distributionspolitikdistribution policy / place
Absatzwegdistribution channel
Handelsvertretercommercial agent / sales agent
Kommissionärcommission agent
Maklerbroker
Großhandelwholesale
Einzelhandelretail
Marketing-Mixmarketing mix

Jetzt du

Starte mit den leichten Aufgaben. Falsche Antworten landen automatisch in deiner Wiederholungsliste.

0 von 10 gelöst
Aufgabe 1ZuordnenEinstieg

Ordne den Absatzweg zu.

Ein Großhändler beliefert Elektrofachgeschäfte
Angestellter Reisender verkauft an Architekturbüros
Lumen beliefert ein Möbelhaus, das an Endkunden verkauft
Lumen verkauft im eigenen Onlineshop an Privatkunden
Aufgabe 2ZuordnenPrüfungsniveau

Ordne die Beschreibung dem richtigen Absatzorgan zu.

angestellt, weisungsgebunden, erhält Fixum und Provision
vermittelt von Fall zu Fall, ohne ständig betraut zu sein
selbstständig, ständig betraut, schließt im fremden Namen ab
selbstständig, verkauft im eigenen Namen für fremde Rechnung
Aufgabe 3RechnenPrüfungsniveau

Ein Reisender kostet 3.000 € Fixum pro Monat plus 2 % Umsatzprovision. Ein Handelsvertreter erhält 8 % Umsatzprovision. Berechne den kritischen Umsatz pro Monat.

€
Aufgabe 4RechnenPrüfungsniveau

Mit denselben Bedingungen (Reisender: 3.000 € + 2 %, Vertreter: 8 %) erwartet Lumen 70.000 € Umsatz pro Monat. Um wie viel Euro ist die günstigere Lösung pro Monat billiger?

€
Aufgabe 5RechnenKnifflig
Situation

Die Lumen Leuchten GmbH will das Verkaufsgebiet Süddeutschland neu besetzen. Für einen Reisenden fallen pro Jahr 42.000 € Gehalt und 12.000 € Spesen und Kfz-Kosten an, außerdem 1,5 % Umsatzprovision. Ein Handelsvertreter verlangt 7,5 % Provision vom Umsatz.

Berechne den kritischen Jahresumsatz.

€
Aufgabe 6AuswahlKnifflig
Situation

Fortsetzung: Der kritische Jahresumsatz liegt bei 900.000 €. Der Vertriebsleiter erwartet für Süddeutschland im ersten Jahr einen Umsatz von 1,2 Mio. €.

Welche Aussagen sind richtig?

Mehrere Antworten sind richtig (3).

Aufgabe 7RechnenPrüfungsniveau
Situation

Ein Designladen in Hamburg verkauft Leuchten von Lumen als Kommissionär. Im Mai verkauft er Leuchten für 12.000 € (netto). Vereinbart sind 15 % Provision. Umsatzsteuer bleibt unberücksichtigt.

Welchen Betrag muss der Kommissionär an Lumen abführen?

€
Aufgabe 8Richtig/FalschPrüfungsniveau

Richtig oder falsch?

Absatzmittler werden Eigentümer der Ware.
Der Handelsvertreter ist ein Angestellter des Herstellers.
Beim Kommissionsgeschäft kommt der Kaufvertrag zwischen Kommissionär und Kunde zustande.
Omni-Channel bedeutet, dass ein Unternehmen nur über einen einzigen Kanal verkauft.
Aufgabe 9LückentextEinstieg
Die vier Instrumente des Marketing-Mix heißen auf Englisch Product, , und .
Aufgabe 10Freie AntwortKnifflig
Situation

Lumen Leuchten verkauft bisher nur über Möbelhäuser und Onlinehändler. Die Geschäftsleitung überlegt, zusätzlich einen eigenen Onlineshop mit Direktversand an Endkunden aufzubauen.

Nenne je zwei Vor- und Nachteile des eigenen Onlineshops und beschreibe ein Problem, das im Verhältnis zu den bisherigen Händlern entstehen kann.

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