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Preis- und Konditionenpolitik

In 30 Sekunden

Den Preis kannst du an drei Dingen ausrichten: an den Kosten, an der Nachfrage (was zahlen Kunden?) und an der Konkurrenz. Dazu kommen Strategien wie Skimming oder Penetration und die Preisdifferenzierung (gleiches Produkt, verschiedene Preise). Die Konditionenpolitik regelt Rabatte, Skonto, Boni und Zahlungsbedingungen.

Danach kannst du:
  • Kosten-, nachfrage- und konkurrenzorientierte Preisbildung unterscheiden
  • Hochpreis-, Niedrigpreis-, Abschöpfungs- und Penetrationsstrategie erklären und anwenden
  • Arten der Preisdifferenzierung an Beispielen erkennen
  • Rabatt, Skonto und Bonus unterscheiden und berechnen
  • Preisspielraum im Polypol und Oligopol beschreiben
Woran orientiert sich der Preis?
  • Preisbildung
    • kostenorientiertSelbstkosten + Gewinnzuschlag
      • Preisuntergrenze: kurzfristig variable Kosten, langfristig Selbstkosten
    • nachfrageorientiertWas ist der Kunde bereit zu zahlen?
      • Preisbereitschaft, Image, Nutzen für den Kunden
    • konkurrenzorientiertPreise der Mitbewerber als Maßstab
      • Leitpreis übernehmen, knapp darunter oder bewusst darüber
Kostenorientiert: vom Selbstkostenpreis zum Listenverkaufspreis (Nova)
Selbstkosten180,00 €
+Gewinnzuschlag 15 %27,00 €
=Barverkaufspreis207,00 €
+Kundenskonto 2 % (vom Zielverkaufspreis)4,22 €
=Zielverkaufspreis211,22 €
+Kundenrabatt 10 % (vom Listenverkaufspreis)23,47 €
=Listenverkaufspreis (netto)234,69 €
Prüfungsfalle

Skonto und Rabatt werden im Hundert gerechnet: Barverkaufspreis ÷ 0,98 und Zielverkaufspreis ÷ 0,90. Wer einfach 2 % bzw. 10 % aufschlägt, kommt auf einen zu niedrigen Preis, weil der Kunde die Prozente später vom höheren Betrag abzieht.

Zuschlagskalkulation (Industrie)

Trag die Werte aus deiner Aufgabe ein. Das Schema rechnet sofort mit. Skonto und Provision werden im Hundert vom Zielverkaufspreis gerechnet, der Rabatt im Hundert vom Listenverkaufspreis.

Fertigungsmaterial120,00 €
+Materialgemeinkosten (15 %)18,00 €
=Materialkosten138,00 €
Fertigungslöhne45,00 €
+Fertigungsgemeinkosten (180 %)81,00 €
=Fertigungskosten126,00 €
=Herstellkosten (Material + Fertigung)264,00 €
+Verwaltungsgemeinkosten (12 % der HK)31,68 €
+Vertriebsgemeinkosten (8 % der HK)21,12 €
=Selbstkosten316,80 €
+Gewinn (10 % auf SK)31,68 €
=Barverkaufspreis348,48 €
+Kundenskonto (2 % i. H.)7,11 €
=Zielverkaufspreis355,59 €
+Kundenrabatt (10 % i. H.)39,51 €
=Listenverkaufspreis (netto)395,10 €
StrategieIdeeBeispiel
Hochpreisstrategie (Premium)dauerhaft hoher Preis für hohe Qualität und ImageLumen positioniert „Aurora“ als Designklassiker für 649 €
Niedrigpreisstrategie (Promotion)dauerhaft niedriger Preis, Masse statt MargeDiscounter-Leuchte für 29,99 €
Abschöpfungsstrategie (Skimming)hoher Einführungspreis, später schrittweise senken„Lumi Connect“ startet bei 399 €, nach einem Jahr 329 €
Penetrationsstrategieniedriger Einführungspreis, um schnell Marktanteil zu gewinnen, später erhöhenLumen-App-Abo im ersten Jahr für 1 € pro Monat
Preisstrategien
Skimming oder Penetration?
Skimming passt, wenn …
  • •das Produkt neu und einzigartig ist
  • •es Kunden gibt, die für Neuheit mehr zahlen (Early Adopters)
  • •Entwicklungskosten schnell zurückfließen sollen
  • •Patent oder Know-how Nachahmer bremst
Penetration passt, wenn …
  • •Kunden preisempfindlich sind
  • •schnell ein hoher Marktanteil nötig ist
  • •Konkurrenz leicht nachziehen kann
  • •große Mengen die Stückkosten senken

Preisdifferenzierung heißt: Das gleiche (oder fast gleiche) Produkt wird verschiedenen Kunden zu verschiedenen Preisen verkauft. So schöpfst du die unterschiedliche Zahlungsbereitschaft ab.

ArtMerkmalBeispiel
zeitlichPreis hängt vom Zeitpunkt abBlack-Friday-Aktion, Happy Hour im Café, Saisonpreise
räumlichPreis hängt vom Ort/Land ab„Aurora“ kostet in der Schweiz mehr als in Deutschland
personellPreis hängt von der Person/Kundengruppe abSonderpreise für Architekturbüros, Studentenrabatt
mengenmäßigPreis hängt von der Abnahmemenge abab 20 Leuchten 10 % günstiger
sachlich (produktbezogen)kleine Produktunterschiede, großer Preisunterschied„Nova“ in Messing 30 € teurer als in Weiß
Arten der Preisdifferenzierung

Konditionenpolitik regelt alles rund um den Preis:

  • Rabatt: Preisnachlass, sofort auf der Rechnung abgezogen. Arten: Mengenrabatt, Wiederverkäuferrabatt (Händler), Treuerabatt, Sonderrabatt (Jubiläum), Personalrabatt.
  • Skonto: Nachlass für Zahlung innerhalb einer kurzen Frist (z. B. 2 % bei Zahlung in 10 Tagen).
  • Bonus: nachträglicher Nachlass, wenn ein Kunde im Jahr einen bestimmten Umsatz erreicht hat.
  • dazu Liefer- und Zahlungsbedingungen (Frachtkosten, Zahlungsziel).
Merke

Rabatt = sofort, auf der Rechnung. Skonto = für schnelle Zahlung. Bonus = nachträglich, für Umsatz im Zeitraum.

Psychologische Preise wirken günstiger, als sie sind: Schwellenpreise knapp unter einer runden Zahl (149 € statt 150 €), gebrochene Preise (19,99 €), Prestigepreise bewusst rund und hoch (600 €), Preisanker (durchgestrichener höherer Vergleichspreis, dabei gelten Regeln der Preisangabenverordnung).

Marktform und Preisspielraum:

  • Polypol (viele Anbieter, viele Nachfrager): Ein einzelner Anbieter hat kaum Einfluss auf den Marktpreis. Spielraum gibt es nur, wenn der Markt unvollkommen ist, z. B. durch Marke, Service oder Kundentreue.
  • Oligopol (wenige große Anbieter): Jeder beobachtet die anderen. Typisch sind Preisführerschaft, Preisstarrheit oder ruinöse Preiskämpfe. Preisabsprachen sind als Kartell verboten (§ 1 GWB).
Beispiel: Lohnt sich eine Preissenkung?

„Nova“ kostet 120 € netto, Lumen verkauft 5.000 Stück pro Jahr. Umsatz: 600.000 €.

Bei 10 % Preissenkung (108 €) erwartet der Vertrieb 15 % mehr Absatz (5.750 Stück). Umsatz: 108 × 5.750 = 621.000 €, also 21.000 € mehr.

Aber Achtung: Mehr Umsatz heißt nicht automatisch mehr Gewinn. Jede zusätzliche Leuchte verursacht auch variable Kosten. Ob es sich lohnt, zeigt erst der Deckungsbeitrag.

Eselsbrücke

Skimming kommt von skim = Sahne abschöpfen. Du nimmst zuerst die Sahne (zahlungsbereite Kunden) und gehst dann mit dem Preis runter. Penetration = in den Markt eindringen, mit niedrigem Preis rein.

Lieber schauen als lesen?

Kurze Erklärvideos zum Thema. Das Video lädt erst, wenn du auf Play tippst. Geprüft am 6.10.2026.

PREISDIFFERENZIERUNG - Was ist eigentlich...?
Marketinginstitut · auf YouTube öffnen

Fachbegriffe auf Englisch

In der Prüfung können englische Fachbegriffe vorkommen.

Preispolitikpricing policy
Abschöpfungsstrategieprice skimming
Penetrationsstrategiepenetration pricing
Preisdifferenzierungprice discrimination / price differentiation
Rabattdiscount
Skontocash discount
Selbstkostentotal cost per unit / cost price

Jetzt du

Starte mit den leichten Aufgaben. Falsche Antworten landen automatisch in deiner Wiederholungsliste.

0 von 10 gelöst
Aufgabe 1ZuordnenEinstieg

Ordne das Beispiel der Art der Preisdifferenzierung zu.

Winterschlussverkauf im Onlineshop
Sonderkonditionen für Innenarchitekten
Höhere Preise für Kunden in Österreich
Ab 50 Stück 12 % Nachlass
Aufgabe 2AuswahlPrüfungsniveau
Situation

Lumen Leuchten bringt die smarte Stehleuchte „Lumi Connect“ auf den Markt. Sie ist technisch einzigartig und durch ein Patent geschützt. Erste Kunden aus der Tech-Community warten schon darauf.

Welche Preisstrategie ist für die Markteinführung am besten geeignet?

Aufgabe 3RechnenPrüfungsniveau

Die Selbstkosten der Tischleuchte „Nova“ betragen 180,00 €. Lumen kalkuliert 15 % Gewinn, 2 % Kundenskonto und 10 % Kundenrabatt. Berechne den Listenverkaufspreis (netto). Runde auf Cent.

€
Aufgabe 4RechnenPrüfungsniveau
Situation

Ein Möbelhaus bestellt 40 Stehleuchten „Aurora“ zum Listenpreis von 249,00 € netto je Stück. Lumen gewährt 10 % Mengenrabatt und 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen. Das Möbelhaus zahlt innerhalb der Skontofrist. Die Umsatzsteuer bleibt unberücksichtigt.

Welchen Betrag überweist das Möbelhaus? Runde auf Cent.

€
Aufgabe 5RechnenPrüfungsniveau

Im Onlineshop soll „Nova“ für Endverbraucher 149,00 € inklusive 19 % Umsatzsteuer kosten. Wie hoch ist der Nettopreis? Runde auf Cent.

€
Aufgabe 6RechnenKnifflig
Situation

Die Tischleuchte „Nova“ kostet 120 € netto. Bisher werden 5.000 Stück pro Jahr verkauft. Der Vertrieb schlägt vor, den Preis um 10 % zu senken. Die Marktforschung erwartet dann einen Absatzanstieg um 15 %.

Um wie viel Euro verändert sich der Umsatz durch die Preissenkung?

€
Aufgabe 7Richtig/FalschPrüfungsniveau

Richtig oder falsch?

Ein Bonus wird nachträglich gewährt, wenn ein Kunde in einem Zeitraum einen bestimmten Umsatz erreicht.
Skonto ist ein Preisnachlass für die Abnahme großer Mengen.
Kurzfristig liegt die Preisuntergrenze bei den variablen Stückkosten.
Im Oligopol dürfen sich die Anbieter auf einen gemeinsamen Preis einigen.
Aufgabe 8LückentextEinstieg
Eine Strategie mit hohem Einführungspreis, der später gesenkt wird, heißt . Eine Strategie mit niedrigem Einführungspreis, um schnell Marktanteile zu gewinnen, heißt .
Aufgabe 9AuswahlEinstieg

Welcher Preis ist ein typischer Schwellenpreis?

Aufgabe 10Freie AntwortKnifflig
Situation

Ein neuer Konkurrent bietet eine Stehleuchte, die „Aurora“ ähnlich sieht, für 399 € an. Lumen verlangt für „Aurora“ 649 €. Der Vertrieb fordert, den Preis sofort auf 399 € zu senken.

Nimm Stellung zu dem Vorschlag. Berücksichtige die Preisstrategie von Lumen und nenne eine Alternative zur Preissenkung.

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